Laporta macht Nägel mit Köpfen
Der Medizincheck ist bestanden, der Präsident hat gesprochen: Karim Adeyemis Wechsel von Borussia Dortmund zum FC Barcelona ist so gut wie perfekt. Joan Laporta bestätigte den Deal am Rande der WM in den USA persönlich gegenüber spanischen Medien. "Wir freuen uns sehr über Adeyemi. Wir haben ihn schon länger im Blick. Er ist gefährlich und schnell, und Deco hat die Verpflichtung hervorragend abgewickelt", sagte der Barca-Boss in Dallas, berichtet am 13. Juli von der Sportschau.
Den Medizincheck absolvierte Adeyemi bereits, laut Goal rund zwei Stunden im Hospital de Barcelona. Gescheitert ist an dieser Personalie also längst nichts mehr. Es fehlt nur noch der formale Schlusspunkt.
Offiziell besiegelt ist damit fast alles, nur eben nicht die Vorstellung selbst. Ursprünglich war die Präsentation für das vergangene Wochenende angesetzt, doch weil die Barca-Führung wegen der WM in den USA weilte, rutschte der Termin nach hinten (Goal, Rhein-Zeitung). Zuletzt stand Mittwoch, der 22. Juli, im Kalender, wegen offener Formalitäten zwischen den Klubs könnte es aber auch Donnerstag werden. Auf einen offiziellen Termin will sich in Barcelona derzeit niemand endgültig festlegen.
Was der Deal kostet
Über die Zahlen herrscht weitgehend Klarheit. Auf rund 22 Millionen Euro feste Ablöse haben sich die Klubs verständigt, dazu kommen leistungsabhängige Boni, die je nach Quelle zwischen sieben und neun Millionen Euro liegen (ESPN, Goal). Damit könnte der Adeyemi-Transfer nach Barcelona am Ende bei bis zu 29 bis 31 Millionen Euro landen. Dortmund sicherte sich zudem eine Weiterverkaufsbeteiligung von kolportierten 35 Prozent (Sportschau). Die Beteiligung bedeutet: Steigt Adeyemis Wert in Barcelona, verdient der BVB später noch einmal mit. Unterschreiben soll Adeyemi einen Vertrag bis 2031.
Für einen Flügelstürmer mit diesem Tempo ist das ein überschaubarer Preis. Barca setzt damit auf Tempo statt auf einen großen Namen zum Höchstpreis. Der Klub bekommt einen Angreifer, der auf dem Papier genau in das schnelle Umschaltspiel passt, das Hansi Flick sehen will.
Wiedersehen mit Flick
Womit wir beim roten Faden dieser Geschichte wären. In Barcelona trifft Adeyemi auf einen alten Bekannten. Flick, heute Cheftrainer der Katalanen, gab ihm einst als Bundestrainer sein Debüt in der deutschen Nationalmannschaft (Goal). Der Trainer kennt den Spieler, der Spieler kennt die Ansprüche. Das kann die Eingewöhnung beschleunigen.
Der Wechsel trägt ohnehin eine deutliche deutsche Handschrift: Ein Nationalspieler folgt einem deutschen Trainer nach Katalonien. Adeyemi bringt genau die Tiefe, die Flicks hoch pressende Elf im letzten Drittel immer wieder sucht. Ob er sich hinter den etablierten Kräften sofort durchsetzt, ist die offene Frage.
Der nächste Abgang beim BVB
Für Borussia Dortmund reiht sich der Verkauf in einen bewegten Sommer ein. Schon zuvor verlor der BVB Julian Brandt ablösefrei (Ruhr Nachrichten). Nun geht mit Adeyemi der nächste Offensivmann, und das verändert die Kaderplanung spürbar. Adeyemi wäre nach Brandts Abgang der prominenteste Verkauf des Dortmunder Sommers.
Der Aderlass zwingt die Dortmunder zum Umbau ihrer Offensive. Tempo und Tiefe, genau die Qualitäten, die Adeyemi einbrachte, fehlen künftig auf dem Flügel. Zwei kreative Abgänge in einem Sommer, das hinterlässt Spuren im Spiel nach vorne. Ohne festen Ersatz geht der BVB ein Risiko ein, sollte sich der Umbau bis zum Saisonstart ziehen. Wie der Klub diese Lücke schließt, dürfte den Rest des Transfersommers prägen.
Zunächst aber liegt der Ball in Barcelona. Steigt die Vorstellung wie angekündigt am Mittwoch, ist einer der auffälligeren deutschen Wechsel dieses Sommers unter Dach und Fach. Verschiebt sie sich, wird es eben Donnerstag. Für den BVB beginnt derweil die eigentliche Arbeit, denn Dortmund muss auf dem Transfermarkt nun nachlegen.
Quellen
- Sportschau
- Goal
- Rhein-Zeitung
- ESPN
- Ruhr Nachrichten
- Titelbild: Karim Adeyemi / CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons.



No comments yet