Es ist das frühe Ende, das keiner geplant hatte. Deutschland scheidet bei der WM 2026 schon im Sechzehntelfinale aus, ausgerechnet im Elfmeterschießen gegen ein Paraguay, das sich hinten verbarrikadierte und auf genau dieses Szenario spekulierte. Die Enttäuschung ist riesig, die Debatte über Julian Nagelsmann und die Zukunft dieser Mannschaft eröffnet.
Kontrolle ohne Durchschlagskraft
Nagelsmann bringt das Dilemma seiner Elf selbst auf den Punkt: Man habe das Spiel kontrolliert, aber die letzte Konsequenz vor dem Tor gefehlt. Gegen einen "ultradefensiven" Gegner, wie er Paraguay nennt, reicht Ballbesitz eben nicht. Den aberkannten Treffer bezeichnet er als "Witz", und man merkt ihm die Wut über eine Partie an, die kippte, ohne dass sein Team wirklich schlechter war. Doch Fußball belohnt keine Statistik, sondern Tore. Und die blieben aus.
Ein Bundestrainer, der bleiben will
Wer nun den großen Umbruch auf der Trainerbank erwartet, wird enttäuscht. Nagelsmann stellt unmissverständlich klar: Ein Rücktritt kommt für ihn nicht infrage. Er würde gerne weitermachen, wenn der DFB ihn behalten will, sein Vertrag läuft ohnehin bis 2028. Diese Haltung ist mutig und richtig zugleich. Ein Trainerwechsel würde die begonnene Entwicklung abwürgen, und ein glaubwürdiger Nachfolger steht nicht bereit.
Der junge Kern muss reifen
Am schwersten trägt Joshua Kimmich, der nach dem Aus sichtlich getroffen an der Mittellinie steht. Der Kapitän verkörpert den Charakter dieses Kaders: jung, talentiert, hungrig, aber in entscheidenden Momenten noch ohne die Kaltschnäuzigkeit großer Turniermannschaften. Genau hier liegt die Aufgabe der kommenden zwei Jahre. Dieses Team hat Zeit, es hat Substanz, und es hat einen Trainer, der weitermachen will. Der Weg zur EM 2028 im eigenen Land beginnt jetzt, mit der bitteren Lektion, dass Kontrolle allein keine Titel gewinnt.
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