Ein zweites Duell, das im Titelrummel untergeht
Wenn am Sonntagabend im MetLife Stadium von East Rutherford der Anpfiff ertönt, geht es nicht nur um den WM-Pokal. Für Lionel Messi läuft ein zweites Rennen: das um den Torschützenkönig der WM 2026. Und in diesem liegt der Kapitän der Argentinier zurück.
Kylian Mbappé führt die Torschützenliste an. Nach dem Spiel um Platz drei steht der Franzose laut FIFA-Statistik bei 10 Treffern. Messi folgt mit 8 Toren und 4 Vorlagen auf Rang zwei. Der Haken: Frankreich hat sein Turnier beendet, Mbappés Zahl ist eingefroren. Messi hat noch 90 Minuten vor sich, womöglich mehr. Der Franzose kann seine Marke nicht mehr verbessern, er kann nur hoffen, dass Messi sie nicht knackt.
Genau das macht den Abend so speziell. Ein eingefrorener Spitzenwert gegen einen Verfolger, der im wichtigsten Spiel des Jahres noch nachlegen kann. Selten fiel die Entscheidung um den Goldenen Schuh so spät.
Warum es ein Doppelpack sein muss
Die Rechnung ist unbequem für Messi. Ein einzelnes Tor bringt ihn auf 9 und damit näher heran, nicht vorbei. Erst ein Doppelpack im Finale hebt ihn auf 10 und zieht mit Mbappé gleich.
Und dann entscheidet der Tiebreak. Bei Gleichstand zählt die FIFA die Vorlagen, und dort hat Messi mit seinen vier Assists die Nase vorn. Heißt: Trifft er zweimal, sichert er sich den Goldenen Schuh der WM 2026 auf der Zielgeraden, ohne dass Mbappé noch etwas dagegen ausrichten könnte. Ein Dreierpack wäre der eindeutige Weg, zwei Tore reichen dank der Vorlagen-Regel.
Dass Vorlagen den Goldenen Schuh entscheiden, ist kein Novum. 2010 in Südafrika holte ihn Thomas Müller mit fünf Toren, weil er dank dreier Vorlagen an einer ganzen Reihe gleichauf liegender Torjäger vorbeizog.
Spaniens Torjäger Mikel Oyarzabal spielt in dieser Wertung keine Hauptrolle mehr. Fünf Treffer stehen neben seinem Namen. Für das Titelrennen um den Torschützenkönig bräuchte er selbst einen Dreierpack im Endspiel, ein wenig realistisches Szenario.
Zwei Geschichten in 90 Minuten
Als Einzelkämpfer wird Messi kaum auf Torejagd gehen. Argentinien verteidigt seinen Titel von 2022, und der 39-Jährige bestreitet mutmaßlich sein letztes WM-Turnier. Der Weg ins Endspiel führte über ein 2:1 gegen England im Halbfinale. Gelingt die Titelverteidigung, wäre Messi nach Pelé der erste Spieler, der zwei WM-Titel nacheinander gewinnt, und der erste Kapitän seit Cafú im Jahr 2002, der den WM-Pokal verteidigt. Selten lagen Titeljagd und Torschützenkrone für ihn so nah beieinander.
Der Gegner aber spricht eine klare Sprache. Spanien, Europameister von 2024, zog durch ein 2:0 gegen Frankreich ins Finale ein und jagt den ersten WM-Titel seit 2010. Im Mittelfeld dirigiert Rodri, vorne wirbelt der erst 19-jährige Lamine Yamal, der jüngste Weltmeister der Neuzeit werden könnte. Die Elf von Luis de la Fuente kommt als Favorit ins Endspiel.
Das bestätigt auch die Statistik. Die Opta-Prognose sieht die Iberer vorn: Der Supercomputer gibt Spanien rund 59 Prozent, Argentinien rund 41. Ein Selbstläufer ist das nicht, ein Fingerzeig schon.
Für neutrale Zuschauer liefert dieses Nebenrennen einen zusätzlichen Grund einzuschalten. Jeder Messi-Abschluss trägt heute doppeltes Gewicht, jeder Treffer verschiebt gleich zwei Wertungen.
Für Messi überlagern sich damit an einem Abend zwei Erzählungen. Die eine dreht sich um den Titel, die andere um eine Zahl in der Torschützenliste. Trifft er zweimal, gewinnt er womöglich beides. Bleibt er blass, geht der Goldene Schuh nach Frankreich, während in East Rutherford ein neuer Weltmeister gekürt wird. Anpfiff ist um 21:00 Uhr deutscher Zeit, 15 Uhr an der US-Ostküste; im deutschen Free-TV läuft das Endspiel live.
Quellen
- kicker
- Sportschau
- Opta Analyst
- FIFA
- Cover photo: Bryan Berlin / CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons


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