Seit 64 Jahren wartet der Fußball auf diese eine Wiederholung. Zuletzt verteidigte Brasilien um Pele 1962 den WM-Titel, danach gelang es keiner Nation mehr. Am Sonntagabend, Anstoß um 21 Uhr deutscher Zeit im MetLife Stadium von East Rutherford, bekommt Lionel Messi die Chance, diese Lücke in der Geschichte der WM zu füllen. Titelverteidiger Argentinien gegen Europameister Spanien, ein Endspiel, das weit über den Pokal hinausreicht.
Eine Titelverteidigung, die es seit Pele nicht gab
Nur zwei Nationen holten den WM-Pokal je in Serie: Italien 1934 und 1938, Brasilien 1958 und 1962. Setzt sich die Albiceleste durch, wäre sie erst die dritte Mannschaft überhaupt, die den Titel erfolgreich verteidigt. Zuletzt scheiterte Frankreich, das 2018 gewonnen hatte und 2022 als Titelverteidiger erneut das Finale erreichte, dort aber an eben diesem Argentinien.
Für Messi geht es dabei um mehr als einen weiteren Titel. Der Kapitän würde eine Titelverteidigung anführen, auf die der Fußball seit den Tagen von Pele wartet. Argentinien holte den Pokal 2022 in Katar, die Krönung soll nun in den USA folgen. Die Elf von Trainer Lionel Scaloni kam über einen 2:1-Halbfinalsieg gegen England ins Endspiel, es war der siebte Sieg im siebten Spiel. Ein Sieg heute würde das Turnier der Albiceleste makellos abschließen, ein Kunststück, das zuletzt Brasilien 2002 gelang.
Messis dritte Finalbühne, mit 39
Es ist aller Voraussicht nach die letzte WM des Kapitäns. Mit 39 Jahren wäre Messi der älteste Feldspieler, der je in einem WM-Endspiel steht, so die Daten von Opta. Und er würde nach Cafu, der 2002 als Kapitän mit Brasilien triumphierte, erst der zweite Profi der WM-Historie, der in drei Endspielen mitwirkt. Auch um den Goldenen Schuh geht es noch: Mit acht Toren liegt Messi in der Turnier-Torschützenliste auf Rang zwei hinter Kylian Mbappe, der sein Turnier bereits mit zehn Treffern beendet hat. Zwei eigene Tore im Finale würden ihn gleichziehen lassen, den Ausschlag gäben dann seine vier Vorlagen.
2014 unterlag Messi im Finale von Rio de Janeiro Deutschland mit 0:1, Mario Götze traf erst in der Verlängerung. 2022 folgte die Erlösung: ein 3:3 gegen Frankreich, das Argentinien im Elfmeterschießen mit 4:2 für sich entschied. Als Kapitän stemmte Messi den Pokal in die Höhe. Genau diesen Titel will er heute verteidigen: 2014, 2022, 2026.
Spaniens Gegenentwurf
Dem historischen Auftrag stellt sich die formstärkste Elf des Turniers entgegen. Spanien, Europameister von 2024, zog nach einem 2:0 gegen Frankreich ins Finale ein. Die Mannschaft von Trainer Luis de la Fuente jagt den ersten WM-Titel seit 2010, damals in Südafrika. Im Zentrum dirigiert Rodri, der Ballon-d'Or-Gewinner von 2024, das Aufbauspiel. Gewinnt La Roja, würde der 19-jährige Lamine Yamal zum jüngsten Weltmeister der Neuzeit. Torjäger Mikel Oyarzabal führt die interne Torschützenliste mit fünf Treffern an.
Die Prognosen sprechen für die Europäer: Der Opta-Supercomputer sieht Spanien mit 59,6 Prozent vorn, Argentinien kommt auf 40,4 Prozent. Dagegen steht die Turnierbilanz der Albiceleste, sieben Siege aus sieben Spielen, und die Erfahrung eines Teams, das ein solches Endspiel schon einmal gewonnen hat.
Was heute Abend zu erwarten ist
Zwei Erzählungen prallen im MetLife Stadium aufeinander: Spaniens Ballbesitzfußball um Rodri gegen die Erfahrung und das Umschaltspiel der Albiceleste. Argentinien setzt zudem auf die Nervenstärke aus dem Elfmeterschießen von 2022, Spanien auf seinen Rhythmus und die frische Klasse von Yamal. Holt die Albiceleste den Rekord aus Peles Zeiten, oder krönt Spanien seinen langen Lauf mit dem erst zweiten WM-Titel seiner Verbandsgeschichte? Anpfiff ist um 21 Uhr deutscher Zeit. Eine Antwort, die seit 1962 aussteht, fällt an diesem Abend.
Quellen
- Sportschau: FIFA WM 2026
- The Analyst (Opta): Spain vs Argentina World Cup 2026 Final Prediction
- Cover photo: Bryan Berlin / CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons


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