Regelchaos um Embolo: Wie die neue 'Mistaken Identity'-Regel die WM 2026 spaltet

Ein Videobeweis, eine kaum bekannte Regel und ein Platzverweis, der die Schweiz zur Weißglut trieb: Der Fall Embolo hat bei der WM 2026 eine Grundsatzdebatte über den VAR ausgelöst.

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Regelchaos um Embolo: Wie die neue 'Mistaken Identity'-Regel die WM 2026 spaltet

Es war die Szene, über die halb Fußball-Europa noch immer diskutiert. In der 72. Minute des Viertelfinals zwischen Argentinien und der Schweiz am 11. Juli in Kansas City sah zunächst Argentiniens Leandro Paredes Gelb, wenige Augenblicke später stand der Schweizer Breel Embolo mit Gelb-Rot vom Platz. Dazwischen lagen ein Videobeweis und eine Regel, die kaum jemand kannte, berichtete Al Jazeera.

Der portugiesische Schiedsrichter João Pedro Silva Pinheiro hatte Paredes für ein vermeintliches Foul an Embolo verwarnt. Dann meldete sich der VAR, der Referee schaute sich die Bilder an, und die Bewertung kippte: Nicht Paredes hatte gefoult, Embolo hatte eine Schwalbe gezogen. Nach der neuen Auslegung durfte die Gelbe Karte aber nicht einfach verschwinden, sie wanderte zum eigentlich Schuldigen. Für Embolo, bereits verwarnt, bedeutete das den Platzverweis.

Die zugrunde liegende Regel des International Football Association Board (IFAB) betrifft eigentlich die Spielerverwechslung: Bestraft der Unparteiische klar den falschen Spieler, darf der VAR eingreifen. Vor dieser WM wurde die Auslegung ausgeweitet, sodass der Videobeweis solche Fälle aufgreifen kann, so Al Jazeera. Embolo wurde damit zum ersten Profi, der bei einer WM wegen 'Mistaken Identity' vom Platz flog.

Genau hier setzt die Kritik an. Der Videobeweis war einst gedacht, um klare und offensichtliche Fehler zu korrigieren, nicht um in eine gewöhnliche Gelb-Situation einzugreifen. Eine echte Verwechslung lag nicht vor, der Schiedsrichter war schlicht auf eine Schwalbe hereingefallen. Die Schweizer Bank protestierte lautstark, blieb aber erfolglos, berichtete Al Jazeera, das zugleich anmerkte, die meisten neutralen Beobachter hätten die Entscheidung für korrekt gehalten. Argentinien setzte sich am Ende in der Verlängerung durch und zog ins Halbfinale ein.

Die FIFA reagierte noch vor den Halbfinals. Wie Yahoo Sports meldete, stationierte der Verband erstmals einen Haupt-VAR und einen Ersatz-VAR direkt im Stadion, statt wie zuvor alles aus dem zentralen Hub im International Broadcast Center in Dallas zu steuern. Anlass waren mehrere umstrittene Szenen, darunter Englands 2:1 gegen Norwegen und eben Argentiniens Sieg über die Schweiz. 'In diesen Spielen entfaltet sich viel Drama', sagte Dan Hunt, Mitglied des WM-Organisationskomitees, laut Yahoo. 'Wenn nur vier Offizielle das Geschehen auf dem Feld steuern sollen, ist das sehr schwierig.'

Beim ersten Halbfinale griff die neue Regelung bereits. Spanien besiegte Frankreich am 14. Juli mit 2:0, ein von Mikel Oyarzabal verwandelter Elfmeter überstand die Videoprüfung, ein Abseitstor von Lamine Yamal wurde diesmal ohne großen Aufschrei aberkannt, so ESPN. Nach den Wochen des Streits war es ein Halbfinale fast ohne VAR-Aufreger.

Der Fall Embolo steht dabei nicht allein. Das Turnier hat eine ganze Serie strittiger Szenen produziert, von aberkannten Toren bis zu diskutierten Elfmetern; das US-Magazin Sports Illustrated listete gar die dreizehn umstrittensten Schiedsrichterentscheidungen der WM 2026 auf. Selten standen die Unparteiischen bei einem Turnier so oft im Mittelpunkt. Für die Eidgenossen bleibt der Platzverweis dennoch besonders bitter: Ausgerechnet eine neue, kaum erprobte Auslegung kostete sie in einem Viertelfinale einen Mann und am Ende das Weiterkommen.

Bleibt die Grundfrage, die das Turnier an die Zukunft weiterreicht: Soll der Videobeweis nur eklatante Fehler geraderücken, oder darf er tief in die Bewertung einzelner Zweikämpfe eingreifen? Embolos Platzverweis hat darauf keine Antwort gegeben, aber die Debatte für die nächste WM eröffnet.

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