Wende in der Nachspielzeit: Argentinien wirft England aus dem WM-Halbfinale

Wende in der Nachspielzeit: Argentinien wirft England aus dem WM-Halbfinale

England führte durch Gordon und kontrollierte Messi über weite Strecken. Dann kam die Schlussphase: Enzo Fernández und Lautaro Martínez drehten das Halbfinale binnen gut sechs Minuten, beide Tore legte Messi auf.

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Sieben Minuten fehlten England zum Finale. Belohnt wurde die Geduld nicht. Nicht das Ergebnis, sondern die Schlussphase ist die Geschichte dieses Abends: Im Halbfinale der WM 2026 drehte Argentinien am 15. Juli im Mercedes-Benz Stadium von Atlanta einen 0:1-Rückstand noch in einen 2:1-Sieg, und das ganz ohne eigenen Treffer von Lionel Messi. Der Kapitän legte beide Tore auf, den Rest besorgten Enzo Fernández und Lautaro Martínez.

Sechs Minuten, die alles drehten

Lange sah es nach dem großen Coup der Three Lions aus. Anthony Gordon brachte die Elf von Thomas Tuchel in der 55. Minute in Führung, danach zog sich England zurück, verteidigte diszipliniert und hielt Messi über weite Strecken aus dem Spiel. Kaum ein Ball des Kapitäns landete in gefährlichen Zonen. Bis zur 85. Minute trug die knappe Führung.

Dann kippte die Partie in nur sechs Minuten und 24 Sekunden. In der 85. Minute zog Enzo Fernández aus der Distanz ab und traf zum 1:1. Der Ausgleich saß, und plötzlich stand England anders auf dem Platz: unsicher, kopflos. Kaum hatten sich die Gäste neu sortiert, schlug die Albiceleste erneut zu. In der Nachspielzeit köpfte der eingewechselte Lautaro Martínez eine Hereingabe zum 2:1 ins Netz (90.+2), nur wenige Minuten nach seinem Auftritt vom Feldrand. Scalonis Rechnung ging auf: Der Joker stach im ersten Moment, in dem er gebraucht wurde. Sky Sports und ESPN meldeten den späten Doppelschlag als die Wende des Abends.

So kalt kann ein Comeback sein: Argentinien brauchte für die Wende keine Drangphase über eine halbe Stunde, sondern zwei Szenen. Ein Distanzschuss, ein Kopfball, dazu zwei Pässe von Messi, und aus einer drohenden Niederlage wurde der Finaleinzug.

Tuchels England geht leer aus

Für Tuchel ist es die bitterste Art, ein Halbfinale zu verlieren. Seine Mannschaft kontrollierte den bislang stärksten Spieler des Turniers, führte bis in die Schlussphase und stand am Ende doch mit leeren Händen da. Der Plan ging fast 90 Minuten auf. Fast.

Statt des Endspiels bleibt England nur das kleine Finale. Am 18. Juli geht es in Miami im Spiel um Platz 3 gegen Frankreich, das im ersten Halbfinale mit 0:2 gegen Spanien verloren hatte. Ein magerer Trost für eine Elf, die den ganz großen Wurf zum Greifen nah hatte.

Messi als Regisseur

Ein eigenes Tor brauchte Messi nicht, um die Partie zu entscheiden. Zwei Vorlagen, zwei Tore: Erst bediente er Enzo Fernández vor dessen Distanzschuss, dann bereitete er den Kopfball von Lautaro vor. Zwei Aktionen, zwei Treffer. Im Turnier steht der Argentinier damit bei acht Toren und vier Vorlagen, wie Business Standard vorrechnete. Hinten hielt Emiliano Martínez die knappe Führung über die Zeit.

Bemerkenswert bleibt: England hatte über 85 Minuten fast alles richtig gemacht gegen Messi und verlor am Ende doch an ihm. Genau das macht diesen Halbfinal-Abend so bitter für die Gäste: Der Gegner brauchte seinen besten Mann nicht in Bestform, nur in zwei Momenten. Der Kapitän musste kaum ins Spiel eingreifen, um es zu prägen.

Was jetzt zählt

Damit zieht der Titelverteidiger ins Endspiel ein. Am 19. Juli trifft Argentinien im MetLife Stadium auf Spanien, das sich am 14. Juli mit 2:0 gegen Frankreich durchgesetzt hatte. Ob Messi seine WM mit dem Pokal krönt oder Spanien den Coup landet, entscheidet sich erst dort. Zwei Spiele stehen für dieses Turnier noch aus, und beide sind offen. Fest steht bisher nur eines: England war 90 Minuten dran am Finale und reist trotzdem ohne Ticket ab.

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