Bellingham entscheidet ein Spiel auf Messers Schneide
Erst die Verlängerung brachte die Entscheidung. England besiegte Norwegen im Viertelfinale der WM 2026 mit 2:1 und steht im Halbfinale. Im Hard Rock Stadium von Miami Gardens, geleitet von Schiedsrichter Clément Turpin, war es Jude Bellingham, der mit einem Doppelpack den Unterschied machte. Für Norwegen endet das Turnier, für England geht es weiter.
Lange sah es nach einer Überraschung aus. Andreas Schjelderup brachte die Skandinavier in der 36. Minute in Führung, und die Elf verteidigte diesen Vorsprung mit Disziplin bis tief in die erste Halbzeit. Doch in der Nachspielzeit, in der 45.+2, glich Bellingham aus. Mit dem 1:1 ging es in die Kabinen, und in dieser Höhe blieb es über die vollen 90 Minuten.
Die Statistik erzählt ein ausgeglichenes Duell
Norwegen war kein Außenseiter, der sich nur wehrte. Die Zahlen von ESPN belegen ein Spiel auf Augenhöhe: 48 zu 52 Prozent Ballbesitz, je 14 Torschüsse, ein Expected-Goals-Wert (xG) von 0,77 zu 0,96. Der xG-Wert misst die Qualität der herausgespielten Chancen; ein Abstand von 0,77 zu 0,96 bedeutet, dass beide Teams nahezu gleich gefährlich agierten.
Den Unterschied machte die Verwertung. England brachte acht Schüsse aufs Tor, Norwegen nur vier. Zwei Großchancen erspielten sich die Engländer, eine die Norweger. Der norwegische Torhüter musste sechsmal eingreifen, sein englischer Kollege nur dreimal. Auch im Passspiel lag England vorn, mit 567 zu 492 angekommenen Pässen und einer Quote von 91 zu 85 Prozent. Die gewonnenen Zweikämpfe gingen mit 54 zu 47 knapp an England, während Norwegen mit zehn zu acht Fouls die etwas ruppigere Bilanz hatte. Kein Kantersieg also, sondern ein Spiel, das an feinen Details hing.
Der eine Moment in der Verlängerung
Als nach 90 Minuten keine Entscheidung gefallen war, ging es in die Verlängerung, und dort schlug Bellingham früh zu. In der 93. Minute setzte Morgan Rogers zum Schuss an, der norwegische Torhüter ließ den Ball abprallen, und Bellingham reagierte am schnellsten. Er staubte zum 2:1 ab. Ein Reflex, ein Schritt Vorsprung, das Halbfinale.
Danach warf Norwegen alles nach vorn, doch der zweite Ausgleich wollte nicht mehr fallen. Kristoffer Ajer sah in der 117. Minute die Gelbe Karte, England verteidigte den knappen Vorsprung über die Zeit und ließ nichts mehr anbrennen.
Bellingham ist der Mann dieses Turniers für England. Schon im Achtelfinale gegen Mexiko hatte er getroffen, nun folgte der Doppelpack, der sein Team ins Halbfinale trug. Auf der Gegenseite blieb Erling Haaland ohne den Treffer, der Norwegen hätte retten können. Der Stürmer, der im Turnierverlauf selbst getroffen hatte, konnte die Wende nicht erzwingen. Für Norwegen ist im Viertelfinale Schluss.
Was jetzt kommt
England steht unter den letzten vier, der Gegner aber ist noch offen: Im Halbfinale trifft die Elf auf den Sieger des Viertelfinals zwischen Argentinien und der Schweiz. Bis dahin bleibt die Frage, ob Bellingham diese Form über ein weiteres K.-o.-Spiel konservieren kann, denn an diesem Abend in Miami hing der englische Erfolg fast vollständig an seinen beiden Toren.
Bemerkenswert bleibt, wie nah Norwegen an einer Sensation war. Über weite Strecken hielt die Mannschaft mit, in Schjelderups Führung und in der ausgeglichenen Statistik spiegelte sich ein Team, das England vor größere Probleme stellte als erwartet. Am Ende fehlte die eine Aktion, die England hatte und Norwegen nicht. Für Haaland und die Skandinavier endet damit eine WM, die lange nach mehr aussah. England reist mit dem Selbstvertrauen weiter, auch ein zähes, enges Spiel über die volle Distanz für sich entscheiden zu können.
Quellen
- ESPN: Norwegen 1:2 England, Spielstatistik und Ergebnis
- CNN: England reach semifinal after Bellingham inspires 2-1 win over Norway
- FIFA: Norway v England 1-2, Ergebnis, Statistik und Highlights
- Business Standard: England beat Norway 2-1 after extra time, Bellingham brace
- ESPN: Haaland on Norway's chances before the quarter-final
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