Kane überflügelt Lineker: Englands stiller Rekordtorjäger jagt den Goldenen Schuh

Mit seinem elften WM-Tor löste Harry Kane einen 36 Jahre alten Rekord von Gary Lineker ab. Vor dem Viertelfinale gegen Haalands Norwegen fehlt dem Engländer nur ein Treffer zur Spitze im Rennen um den Goldenen Schuh.

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Ein Kopfball, und der Rekord fiel

In der 67. Minute war es so weit. Beim 2:0 gegen Panama stieg Harry Kane am 27. Juni hoch und köpfte ein, sein elftes WM-Tor. Ein Kopfball, mehr brauchte es nicht, um Englands Geschichtsbücher neu zu ordnen. Denn damit zog der Kapitän an einer Bestmarke vorbei, die 36 Jahre lang Bestand gehabt hatte: Gary Linekers zehn Treffer bei Weltmeisterschaften. Kein Engländer hatte je häufiger auf der ganz großen Bühne getroffen, wie TNT Sports und Olympics.com berichteten.

Groß gefeiert wurde der Moment kaum. Die Schlagzeilen dieser WM gehören Lionel Messi und Kylian Mbappé, dazu Erling Haaland. Kane dagegen schrieb fast beiläufig englische Geschichte um, Tor für Tor, ohne großes Aufheben. Genau darin liegt die Pointe dieser Geschichte.

Der Gleichstand kam schon zum Auftakt

Angedeutet hatte sich das bereits am ersten Spieltag. Beim 4:2 gegen Kroatien am 17. Juni schnürte Kane einen Doppelpack und zog mit Lineker gleich, wie der englische Verband auf seiner Website vermeldete. Zehn Tore, so viele wie die Legende. Zehn Tage später stand er dann allein an der Spitze.

Der Vorgänger reagierte ohne jeden Groll. Im Podcast „The Rest Is Football“ nannte Lineker den Torjäger nach dem Kroatien-Spiel „den besten englischen Stürmer, den wir je hatten“. Ein Ritterschlag von dem Mann, dessen Rekord gerade ins Wanken geriet. Kanes Antwort fiel so trocken aus wie einer seiner abgezockten Abschlüsse: „Sorry Gary, ich bin jetzt einen vor dir.“

Drei Turniere, ein Alleinstellungsmerkmal

Es ist nicht allein die nackte Zahl, die den Rekord so schwer wiegen lässt. Kane traf bei drei verschiedenen Weltmeisterschaften, 2018, 2022 und jetzt 2026. Das schaffte laut IBTimes kein anderer englischer Angreifer. Nicht Wayne Rooney, nicht Alan Shearer, nicht einmal Geoff Hurst, der Mann mit dem legendären Dreierpack im Finale von 1966.

Sechs seiner elf WM-Tore erzielte Kane bei diesem Turnier, in fünf Spielen. Der Rest stammt aus Russland und Katar. Kontinuität über drei Weltmeisterschaften hinweg, das ist die eigentliche Ausnahme in einer Laufbahn, die auf Vereinsebene lange an den ganz großen Titeln vorbeischrammte. Für England ist er längst mehr als ein Torjäger. Er ist die verlässlichste Konstante einer Mannschaft, die seit Jahrzehnten auf den großen Wurf wartet.

Der Goldene Schuh liegt in Reichweite

Und doch läuft das große Erzählstück dieser WM an ihm vorbei. Im Rennen um den Goldenen Schuh dreht sich alles um Messi gegen Mbappé.

Laut der adidas-Torschützenliste, Stand 9. Juli, führen beide mit je acht Treffern. Bei Gleichstand zählt die Zahl der Vorlagen, und da hat Mbappé mit drei Assists die Nase vorn. Messi kommt auf eine. Dahinter lauert Haaland mit sieben Toren, wie ESPN in seinem Tracker führt.

Die Regel dahinter ist simpel: Zählen zwei Spieler gleich viele Tore, gibt die Zahl der Vorlagen den Ausschlag. Für Kane heißt das, jeder eigene Treffer und jede Vorlage kann am Ende über die Auszeichnung mitentscheiden.

Kane rangiert auf Rang vier: sechs Tore, eine Vorlage, fünf Spiele. Ein einziger Treffer trennt ihn von der Spitze. So nah dran, und doch bleibt sein Name meist unerwähnt, wenn über die Torjägerkrone diskutiert wird.

Das passt zu dieser leisen Rekordjagd. Während Messi zaubert und Mbappé sprintet, arbeitet Kane. Kopfballstärke, Präsenz im Strafraum, eiskalte Abschlüsse. Kein Spektakel, aber Woche für Woche Tore. Zwei Treffer im richtigen Moment, und aus dem Verfolger wird der Jäger.

Ausgerechnet gegen Haaland

Die Bühne für die Aufholjagd steht schon bereit. Im Viertelfinale trifft England auf Norwegen, und damit auf Haaland, einen direkten Rivalen im Kampf um die Torjägerkrone. Ein Tor, und Kane wäre mittendrin im Duell. Zwei, und er könnte die gesamte Rangordnung durcheinanderwirbeln.

Ob ihm das gelingt, entscheidet sich auf dem Platz. Fest steht nur: Der leise Rekordhalter hat die vielleicht lauteste Bühne seiner Karriere vor sich. Einen Rekord hat er schon sicher. Der nächste, der Goldene Schuh, liegt in Reichweite von genau einem Tor.

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