Ein Spiel, das eigentlich keiner spielen will, und doch geht es um etwas. Am kommenden Samstag trifft England im Hard Rock Stadium von Miami auf Frankreich, im Spiel um Platz 3 der WM 2026. Auf der englischen Bank sitzt mit Thomas Tuchel ein deutscher Trainer, und der sucht nach einem versöhnlichen Abschluss.
Beide Teams kamen als Verlierer des Halbfinals in dieses Duell. England unterlag Argentinien in Atlanta mit 1:2, Frankreich musste sich Spanien mit 0:2 geschlagen geben. Statt des großen Endspiels bleibt das kleine Finale, jene undankbare Partie, in der es für beide Seiten wenig zu gewinnen und viel Stimmung zu verlieren gibt. Das Endspiel folgt einen Tag später, England und Frankreich sind dann nur noch Zuschauer.
Verlockend klingt das für keine der beiden Nationen. England reiste mit anderen Ansprüchen an, Frankreich ebenso. Doch das Spiel um Platz 3 gehört zum Turnierprogramm, und so treffen sich zwei enttäuschte Favoriten zum letzten Auftritt dieser WM vor dem eigentlichen Endspiel.
Tuchel und der Blick Richtung EM 2028
Für den deutschen Beobachter hat dieses Spiel eine besondere Note. An Englands Seitenlinie steht ein Übungsleiter aus Deutschland. Tuchel wurde im Oktober 2024 vorgestellt und übernahm zum 1. Januar 2025 das Amt des englischen Chefcoachs. Dass mit ihm ein Deutscher die englische Auswahl durch dieses Turnier führte, ist für sich schon eine Notiz wert.
Das Halbfinal-Aus war ein Rückschlag, das Ende seiner Mission ist es offenbar nicht. Mehrere Berichte, darunter von ESPN und der Agentur ANI, melden, dass der englische Verband an Tuchel festhält, mutmaßlich bis zur EM 2028. Bestätigt ist das nicht, es bleibt Berichtslage.
Der Weg bis ins Halbfinale hatte durchaus Format. In der WM-Qualifikation blieb England als erste europäische Mannschaft überhaupt ohne ein einziges Gegentor, ein Wert, der die defensive Handschrift des deutschen Trainers unterstreicht. Beim WM-Auftakt setzte sich die Elf gegen Kroatien mit 4:2 durch. Ein Achtungserfolg gegen Frankreich wäre nun das passende Umbruch-Signal, ein Fingerzeig, dass der Zyklus nach dem bitteren Ende weiterläuft.
Deschamps' letzter Auftritt und das Rennen um den Goldenen Schuh
Auf der Gegenseite steht ein Trainer vor dem Abschied. Für Didier Deschamps ist es nach 14 Jahren das letzte Spiel als Frankreichs Nationalcoach. Ob er seine lange Amtszeit mit einem Erfolg krönt, entscheidet sich am Samstag in Miami. Mehr als Kulisse soll dieser Abschied hier aber nicht sein, im Mittelpunkt steht die englische Personalie.
Reizvoll bleibt ein Nebenschauplatz: das Fernduell um den Goldenen Schuh. Vor dem Wochenende führt Kylian Mbappé die Torschützenliste mit acht Treffern an und kann im kleinen Finale nachlegen. Harry Kane und Jude Bellingham stehen bei je sechs Toren, zwei Buden Rückstand. Klarer Führender ist der Franzose, entschieden ist im Kampf um die Torjägerkrone aber noch nichts. Für die beiden Engländer ist das Spiel um Platz 3 die letzte Gelegenheit, im Rennen noch heranzurücken. Eine gesicherte Aufstellung, gar ein sicherer Kane in der Startelf, lässt sich daraus jedoch nicht ableiten.
Was am Samstag zählt
Prestige, ein letzter Auftritt, zwei Torjäger auf der Jagd nach einem Titel im Titel: Das kleine Finale hat mehr Gewicht, als sein Ruf vermuten lässt. Anpfiff ist am Samstag, 18. Juli, im Hard Rock Stadium von Miami. Für Tuchel geht es dabei weniger um die Bronzemedaille als um das Gefühl, mit dem seine Mannschaft in den nächsten Zyklus startet. Die eigentliche Frage stellt sich erst danach: Wie viel Vertrauen bringt der Verband dem Deutschen mit auf den Weg nach 2028?
Quellen
- ESPN
- ANI News
- FIFA
- ESPN (Torjäger-Ticker)
- Cover photo: Brad Tutterow / CC BY 2.0, via Wikimedia Commons
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