Vom Klassenzimmer ins WM-Finale: de la Fuente trifft auf seinen Zögling Scaloni

Vom Klassenzimmer ins WM-Finale: de la Fuente trifft auf seinen Zögling Scaloni

Vor knapp einem Jahrzehnt saß Lionel Scaloni in Luis de la Fuentes Lehrgang in Las Rozas. Am Sonntag stehen sich Lehrmeister und Zögling im WM-Endspiel gegenüber, Spanien gegen Argentinien im MetLife Stadium.

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Am Sonntag geht es im MetLife Stadium in East Rutherford um den WM-Titel. Doch eine der reizvollsten Geschichten dieses Endspiels spielt sich abseits des Rasens ab. Spanien gegen Argentinien, das ist auch Luis de la Fuente gegen Lionel Scaloni. Und die beiden verbindet weit mehr als der Pokal. Im Rampenlicht stehen diesmal nicht nur die Stars auf dem Feld, sondern zwei Männer an der Seitenlinie, deren Wege sich vor Jahren in einem Hörsaal kreuzten.

Vom Lehrgang in Las Rozas ins Finale

Vor knapp einem Jahrzehnt saß Scaloni in einem Hörsaal in Las Rozas. Im Ciudad del Fútbol, der Trainerakademie des spanischen Verbands nahe Madrid, erwarb der Argentinier seine UEFA-Pro-Lizenz. Einer seiner Ausbilder: Luis de la Fuente. Nicht der einzige, aber einer, der Eindruck hinterließ.

Es war ein illustrer Jahrgang. Neben Scaloni büffelten dort ehemalige Weltklasse-Profis wie Javier Saviola und Fernando Redondo. Aus diesem Klassenzimmer sind zwei der erfolgreichsten Nationaltrainer der Gegenwart geworden. Scaloni führte Argentinien 2022 zum WM-Titel, de la Fuente krönte Spanien 2024 zum Europameister. Jetzt trennt die beiden nur noch die Mittellinie. Dass ausgerechnet diese beiden nun das Finale prägen, hätte damals kaum jemand vorausgesehen.

Damals ging es um Scheine und Prüfungen, heute um den größten Titel im Weltfußball. Kaum eine Trainerlaufbahn schließt sich so vollständig wie diese.

Respekt statt Rivalität

Von einer Fehde will an diesem Wochenende niemand sprechen. Das Verhältnis ist von gegenseitiger Wertschätzung geprägt. De la Fuente nannte Scaloni öffentlich einen "Meister", Scaloni wiederum betonte, wie sehr ihm de la Fuente während des Lehrgangs geholfen habe, das berichten CBS Sports und Reuters. Kein böses Wort, keine Provokation, stattdessen Anerkennung auf beiden Seiten.

Der Weg ins Endspiel verlief für beide souverän. Spanien setzte sich im Halbfinale mit 2:0 gegen Frankreich durch, Argentinien bezwang England mit 2:1. Beide Teams reisen also mit breiter Brust nach New Jersey. Nun stehen sich Lehrer und Schüler dort gegenüber, wo es keine Noten mehr gibt, sondern den Titel.

Kontrast der Handschriften

Sportlich prallen zwei Philosophien aufeinander. De la Fuentes Roja lebt vom geduldigen Ballbesitzfußball, vom Kombinieren und Verschieben. Scalonis Albiceleste ist pragmatischer angelegt, stark im Umschaltspiel und gefährlich über den schnellen Konter. Genau dieser Gegensatz macht die taktische Frage des Abends aus: Kontrolle gegen Konter.

Beide Ansätze haben sich schon einmal ausgezahlt. De la Fuente wurde mit dem spanischen Ballbesitzspiel Europameister, Scaloni mit der argentinischen Umschaltkunst Weltmeister. Nun stehen sich die zwei Erfolgsmodelle direkt gegenüber.

Auch zwischen den Pfosten verspricht das Duell Spannung. Spaniens Torwart Unai Simón hielt im Turnier sechsmal die Null und kassierte in sieben Spielen nur ein einziges Gegentor. Auf der Gegenseite steht Emiliano "Dibu" Martínez, für viele der beste Elfmeter-Killer der Welt und Titelverteidiger im Rennen um den Goldenen Handschuh. Sollte die Entscheidung erst vom Punkt fallen, hätte Argentinien im Kasten einen Trumpf.

Festlegen mag sich bei den Aufstellungen niemand. Beide Trainer haben ihre Startelf über das Turnier immer wieder variiert, bis zum Anpfiff bleibt Raum für Überraschungen. Klar ist nur, dass beide Teams ihre Handschrift über sieben Spiele nicht verleugnet haben.

Was am Sonntag zählt

Es ist die Sorte Geschichte, die der Fußball selten so sauber schreibt: der Lehrmeister gegen seinen einstigen Zögling, beide bereits mit einem großen Titel dekoriert. Am Sonntagabend in East Rutherford geht es um den nächsten. Wer ihn am Ende in die Höhe reckt, ist völlig offen, und genau das macht dieses Trainerduell so reizvoll. Egal, wer den Pokal hebt: Das Wiedersehen von Lehrmeister und Zögling hat dem Endspiel schon vor dem Anpfiff seine eigene Note gegeben.

Quellen

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