Spanien ist Weltmeister. Im Finale im MetLife Stadium von East Rutherford bezwang die Elf von Trainer Luis de la Fuente den Titelverteidiger Argentinien mit 1:0 nach Verlängerung. Nach 90 torlosen Minuten fiel die Entscheidung erst in der Verlängerung, als Ferran Torres in der 106. Minute traf.
Es ist der zweite WM-Titel nach 2010 und der Schlusspunkt eines historischen Doppelerfolgs. Nach dem EM-Triumph von 2024 hält de la Fuentes Mannschaft nun beide großen Titel zugleich, ein Kunststück, das zuvor nur wenige Nationen geschafft haben.
Der Treffer, der ein Turnier krönte
Lange rannte Spanien gegen einen tief stehenden Gegner an. Erst in der 106. Minute brach der Bann. Nico Williams köpfte den Ball von der linken Seite quer durch den Fünfmeterraum, am kurzen Pfosten stand Ferran Torres goldrichtig und schob an Emiliano Martínez vorbei zum 1:0 ein. Ein Angreifer, den vor dem Turnier kaum jemand als Finalheld auf dem Zettel hatte, entschied das größte Spiel.
Ein Finale der Einbahnstraße
Von einem gleichwertigen Endspiel konnte über 120 Minuten keine Rede sein. Die Zahlen erzählen eine eindeutige Geschichte. 65 Prozent Ballbesitz, 762 angekommene Pässe bei 89 Prozent Genauigkeit gegen nur 358, dazu 19 Torschüsse gegen gerade einmal zwei. In den regulären 90 Minuten brachte der Titelverteidiger nicht einen einzigen Torschuss zustande. Spanien diktierte jede Phase der Partie. Noch deutlicher fiel das Bild bei den Schüssen aufs Tor aus. Zwölf brachte die de la Fuente-Elf auf den Kasten, Argentinien keinen einzigen. Auch bei den Großchancen stand es 4:0. Der Expected-Goals-Wert, also die statistische Torgefahr, lag bei 1,94 zu 0,20.
Dass es überhaupt bis in die Verlängerung ging, lag vor allem an Emiliano Martínez. Argentiniens Torhüter parierte elfmal und hielt sein Team über weite Strecken im Alleingang im Spiel. Elf Paraden in einem WM-Finale sind ein außergewöhnlicher Wert, der die Wucht der spanischen Angriffe unterstreicht. Sein spanischer Kollege blieb praktisch beschäftigungslos und hielt ohne eine einzige Parade die Null.
Im Zentrum ordnete Rodri das Geschehen, verteilte die Bälle und erstickte jeden argentinischen Umschaltversuch früh im Keim. Mit hohem Pressing nahm Spanien der Albiceleste den Raum für Konter, das gewohnte Mittel der Argentinier. Lamine Yamal und Nico Williams sorgten über die Flügel für Dauergefahr, während Lionel Messi mit 39 Jahren von fast jeder Ballzufuhr abgeschnitten blieb. Argentinien fand kaum Zugriff und griff mit 25 Fouls häufiger zum Mittel der Unterbrechung. Spät in der Verlängerung reduzierte eine Rote Karte die Südamerikaner noch auf zehn Mann, am Ergebnis änderte das nichts mehr.
Mit 19 auf dem Gipfel
Für Lamine Yamal endet das Turnier auf dem Thron. Mit 19 Jahren zählt der Flügelstürmer zu den jüngsten Weltmeistern der jüngeren Geschichte, und er dürfte diese Elf noch über Jahre prägen. Er und Rodri zählen zu den heißesten Anwärtern auf den Goldenen Ball, dessen Vergabe noch aussteht.
Nicht mehr offen ist dagegen der Goldene Schuh. Kylian Mbappé sicherte sich die Torjägerkanone mit zehn Treffern. Messi beendet das Turnier bei acht Toren und ging im Finale leer aus. Damit setzte sich der Franzose im Fernduell mit dem Argentinier durch.
Der Weg ins Endspiel verlief für beide Finalisten souverän. Spanien hatte im Halbfinale Frankreich mit 2:0 aus dem Weg geräumt, Argentinien sich gegen England mit 2:1 durchgesetzt. Auf der großen Bühne aber trat nur eine Mannschaft wie ein Champion auf.
Bleibt die Frage, wie weit dieser Zyklus noch trägt. Eine junge, technisch überlegene Elf hält nun EM und WM zugleich, mit einem 19-Jährigen als Gesicht einer möglichen Ära. Argentinien dagegen steht vor dem Beginn der Zeit nach Messi, dessen wohl letzte WM ohne den erhofften Titel endet. Für Luis de la Fuente ist das Werk vorerst vollendet.
Quellen
- ESPN
- FIFA
- Yahoo Sports
- Al Jazeera
- Cover photo: Timmy96 / CC0, via Wikimedia Commons
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