Ein Distanzschuss entschied das Viertelfinale. In der 112. Minute zog Julian Alvarez aus gut 20 Metern ab und jagte den Ball unhaltbar in den oberen Winkel. Beim 3:1 nach Verlängerung gegen die Schweiz war es dieser Treffer, der den Titelverteidiger auf die Siegerstraße und ins Halbfinale brachte. Der Held des Abends hieß nicht Lionel Messi, sondern sein Sturmpartner.
"Magie von Alvarez, nicht von Messi" titelte ESPN nach dem Schlusspfiff. Ein Satz, der die Rollenverteilung dieser Nacht auf den Punkt brachte. Während die Fußballwelt bei diesem Turnier vor allem auf Messis vermutlich letzte WM blickt, war es Alvarez, der den entscheidenden Moment lieferte. Sky Sports sprach von einem Traumtor, das die Partie aufriss.
Ein zäher Abend, der kippte
Lange deutete wenig auf ein argentinisches Fußballfest hin. Zwar gingen die Südamerikaner früh in Führung. Bereits in der 10. Minute köpfte Alexis Mac Allister nach einer Vorlage von Messi zum 1:0 ein. Doch die Eidgenossen ließen sich davon nicht beeindrucken und hielten dagegen.
Nach gut einer Stunde fiel der verdiente Ausgleich. Dan Ndoye traf zum 1:1 und schickte die Begegnung damit auf einen offenen Weg. Bis zum Ende der regulären Spielzeit fiel keine Entscheidung mehr, es ging in die Verlängerung.
Dort kippte das Spiel endgültig zugunsten Argentiniens. Breel Embolo sah nach einer zweiten Gelben Karte die Ampelkarte und musste vom Feld. Der Platzverweis verschob das Kräfteverhältnis spürbar. In Überzahl drückte der Weltmeister auf die Entscheidung, und Alvarez sorgte mit seinem Distanzhammer für die 2:1-Führung.
Alvarez statt Messi
Es ist die Geschichte eines Durchbruchs zur richtigen Zeit. Messi bereitete das 1:0 mustergültig vor, blieb an diesem Abend aber selbst ohne Treffer. Seine Serie an Toren in aufeinanderfolgenden WM-Spielen endete. Den Moment, der dieses Turnier prägen könnte, fand ein anderer.
Alvarez übernahm Verantwortung, als es darauf ankam. Sein Schuss aus über 20 Metern war kein Zufallsprodukt, sondern die Handschrift eines Angreifers, der den Titelverteidiger in der entscheidenden Phase auf seinen Schultern trug. Kein Elfmeter, kein Abstauber, keine Standardsituation. Ein Schuss aus dem Spiel heraus, sauber in den Winkel. Die Schlagzeilen dieser Nacht gehörten ihm, und ESPN rückte das eigens in den Mittelpunkt.
Für Argentinien ist das ein wertvolles Signal. Ein Turnier lang lastet die Erwartung auf den Schultern des Kapitäns. Doch wenn Messi einmal nicht trifft, steht mit Alvarez ein Schütze bereit, der ein Viertelfinale im Alleingang drehen kann.
Den Schlusspunkt setzte dann Lautaro Martinez. In der Nachspielzeit der Verlängerung, in der 120.+1 Minute, erhöhte der Stürmer auf 3:1 und machte den Halbfinal-Einzug perfekt. Das Ergebnis fiel am Ende deutlich aus, der Weg dorthin war es lange nicht.
Der nächste Gegner heißt England
Für den amtierenden Weltmeister geht es nun um den Einzug ins Endspiel. Am 15. Juli trifft Argentinien in Atlanta auf England, wie Al Jazeera berichtete. Ein Duell mit Klang und Geschichte, und die große Frage lautet: Braucht die Albiceleste auf diesem Weg noch die Magie von Messi, oder reicht der neue Held?
Eines hat dieser Abend jedenfalls gezeigt. Wenn es eng wird, muss der Champion nicht mehr allein auf seine Nummer 10 warten. Diesmal übernahm Alvarez.
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