WM-Halbfinale in Atlanta: England jagt gegen Titelverteidiger Argentinien das erste Endspiel seit 1966

Am Mittwoch treffen England und Argentinien in Atlanta erstmals seit 2002 bei einer WM aufeinander, mit einem Platz im Finale und einer 60 Jahre alten englischen Sehnsucht als Einsatz.

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Ein einziger Sieg trennt England vom ersten WM-Endspiel seit 1966. Am kommenden Mittwoch trifft die englische Elf im Halbfinale der Weltmeisterschaft 2026 auf Argentinien, den amtierenden Weltmeister. Schauplatz ist das Mercedes-Benz Stadium in Atlanta.

Für die einen geht es darum, eine 60 Jahre lange Wartezeit zu beenden. Für die anderen um zwei WM-Titel in Serie. In Atlanta prallen damit zwei sehr unterschiedliche Geschichten aufeinander: die englische Sehnsucht nach einem Titel, der bislang immer nur eine Jahreszahl blieb, und der argentinische Anspruch, den Thron zu behaupten. England und Argentinien stehen sich zudem erstmals seit 2002 wieder bei einer Weltmeisterschaft gegenüber, wie FOX Sports berichtet. Eine ganze Spielergeneration ist seither herangewachsen.

Der Weg ins Halbfinale

Leicht hatte es keines der beiden Teams. England setzte sich erst in der Verlängerung mit 2:1 gegen Norwegen durch, Jude Bellingham traf dabei doppelt und ebnete seiner Mannschaft den Weg. Auch die Albiceleste brauchte die zusätzlichen 30 Minuten: Gegen die Schweiz gewann Argentinien mit 3:1, den entscheidenden Treffer steuerte Julián Álvarez bei.

Beide zählen damit zu den letzten vier Mannschaften der WM 2026. Dass beide erst in der Verlängerung durchkamen, spricht für die Ausgeglichenheit dieser Runde. Zwei hart erkämpfte Siege, und doch für beide nur noch ein Schritt bis zum Endspiel. Das Mercedes-Benz Stadium wird damit zur Bühne für eines der größten Spiele dieser WM. Angesetzt ist das Duell für den 15. Juli. Der Sieger zieht ins Finale ein, der Verlierer reist ab.

Eine Rivalität mit Wucht

Kaum eine Paarung des internationalen Fußballs ist emotional so aufgeladen. Die Rivalität zwischen England und Argentinien speist sich aus einigen der berühmtesten Szenen der WM-Historie, wie das Archiv von Wikipedia dokumentiert.

Das Schlüsselspiel datiert von 1986. Im Viertelfinale im Estadio Azteca gewann Argentinien mit 2:1 und marschierte anschließend zum WM-Titel. Es wurde zur Bühne von Diego Maradona: erst die umstrittene „Hand Gottes", wenige Minuten später das „Jahrhunderttor", jener Slalom durch die halbe englische Mannschaft, der bis heute in jeder WM-Rückschau läuft. Zwei Bilder an einem Nachmittag, von denen die Rivalität bis heute zehrt.

Zwölf Jahre später folgte das nächste Kapitel. Im Achtelfinale 1998 warf Argentinien England im Elfmeterschießen aus dem Turnier, ein Spiel, in dem David Beckham die Rote Karte sah. Seit dem letzten WM-Duell 2002 ist fast ein Vierteljahrhundert vergangen, und mit ihm eine ganze Spielergeneration. Wer in der Gesamtbilanz vorn liegt, ist bei dieser Paarung fast zweitrangig. Diese Duelle brennen sich auch ohne Statistik ins kollektive Gedächtnis.

Was auf dem Spiel steht

Für England wäre ein Finaleinzug historisch. Seit dem Endspiel von 1966 hat es keine englische Auswahl mehr so weit gebracht, wie Yahoo Sports mit Blick auf Englands Halbfinal-Vergangenheit einordnet. 60 Jahre und mehrere gescheiterte Anläufe liegen dazwischen. Für die Fans auf der Insel ist 1966 mehr als eine Zahl: Es ist der letzte Beweis, dass England ganz oben ankommen kann, und zugleich die Messlatte, an der jede Generation seither gemessen wird. Ein Sieg in Atlanta würde diese Erzählung nach sechs Jahrzehnten fortschreiben.

Auf der anderen Seite steht ein Weltmeister, der seinen Status nicht abgeben will. Argentinien verteidigt den 2022 gewonnenen Titel und hätte die Chance, zwei Weltmeisterschaften in Folge zu gewinnen. Für die Südamerikaner ist die Rolle des Titelverteidigers Auftrag und Bürde zugleich: Wer oben steht, wird gejagt. England will genau das, den Champion stürzen und selbst nach ganz oben.

Beide Mannschaften bringen Spieler mit, die ein K.-o.-Spiel im Alleingang entscheiden können, wie Bellingham und Álvarez zuletzt zeigten. Wie das direkte Duell nach so langer Zeit ausgeht, lässt sich dennoch schwer vorhersagen. Die alten Kapitel liefern reichlich Erinnerung, aber keine Garantie. Am Mittwoch in Atlanta ist für eines der beiden Teams Schluss. Für das andere öffnet sich die Tür zum Finale.

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