Der Weltmeister als klarer Favorit
Der Titelverteidiger gegen den Außenseiter, der 72 Jahre auf diesen Moment gewartet hat: Argentinien und die Schweiz bestreiten ihr WM-Viertelfinale im GEHA Field at Arrowhead Stadium von Kansas City, Anpfiff ist um 03:00 Uhr MESZ.
Die Rollen sind klar verteilt. Argentinien gewann die Gruppe J mit dem Punktemaximum (3:0 gegen Algerien, 2:0 gegen Österreich, 3:1 gegen Jordanien), rang im Sechzehntelfinale Kap Verde mit 3:2 nieder und drehte im Achtelfinale einen 0:2-Rückstand gegen Ägypten elf Minuten vor Schluss noch in einen 3:2-Sieg. Cristian Romero köpfte in der 79. Minute nach Messi-Flanke ein, Messi verkürzte in der 84., Enzo Fernández markierte in der 92. den Siegtreffer.
Die Datenlage ist eindeutig. Das Statistikmodell von Opta gibt Argentinien 57,7 Prozent Siegchance in den regulären 90 Minuten (Schweiz 18,0, Remis 24,3) und 70,5 Prozent für den Halbfinaleinzug. Auch die Buchmacher sehen die Albiceleste vorn: Bei DraftKings entfielen laut CBS Sports 24 Stunden vor Anpfiff 85 Prozent der Wetten und 91 Prozent des Einsatzes auf Argentinien.
Im Zentrum steht wie immer Lionel Messi. Der 39-Jährige führt mit acht Toren in fünf Spielen die Torjägerliste an und ist laut Opta der erste Spieler, der in sechs WM-K.o.-Spielen nacheinander traf. Verletzungssorgen plagen Argentinien keine, Trainer Lionel Scaloni hat im Sturm nur die Qual der Wahl zwischen Julián Álvarez und Lautaro Martínez an Messis Seite.
Das Schweizer Bollwerk und der Manzambi-Schock
Die Eidgenossen sind keine Laufkundschaft. Zum ersten Mal seit 1954 steht die Schweiz in einem WM-Viertelfinale, und laut The Analyst ist sie die einzige Mannschaft im Feld, die im gesamten Turnier inklusive Qualifikation noch keine Sekunde zurücklag. Nach dem 2:0 gegen Algerien in Vancouver bezwang das Team Kolumbien im Achtelfinale: 0:0 nach 120 Minuten, 4:3 im Elfmeterschießen.
Der Preis dafür ist hoch. Johan Manzambi, mit 20 Jahren der Senkrechtstarter des Turniers, fällt mit einer Knieverletzung aus. „Johan Manzambis Verletzung schmerzt uns enorm. Es war ein echter Schock ... er kann nicht spielen“, sagte Trainer Murat Yakin laut beIN Sports. Der Freiburger ist der jüngste Spieler seit 1966, der bei einer WM auf fünf Scorerpunkte (drei Tore, zwei Vorlagen) kam. Auch Michel Aebischer und Luca Jaquez trainierten zuletzt nur individuell.
Das Gerüst bleibt trotzdem stabil. Granit Xhaka führt das Turnier mit 50 Pässen an, die die letzte Linie durchbrechen, Linksverteidiger Ricardo Rodríguez bringt 31 Turniereinsätze mit. Beide standen schon 2014 beim 0:1 gegen Argentinien auf dem Platz.
Argentiniens Achillesferse und der Schiedsrichter-Streit
Ein Selbstläufer wird das Duell dennoch nicht. So souverän Argentinien nach vorne spielt, so wackelig steht die Elf von Scaloni hinten. Laut Opta kassierte die Albiceleste in den beiden K.o.-Spielen aus 56 Prozent der gegnerischen Schüsse aufs Tor einen Gegentreffer, fünf von neun. Gleichzeitig traf sie im 14. Spiel nacheinander.
Historisch spricht trotzdem alles gegen die Schweiz. In sieben Duellen mit Argentinien wartet sie noch auf den ersten Sieg (fünf Niederlagen, zwei Remis), auch die beiden bisherigen WM-Duelle gingen verloren (2:0 im Jahr 1966, 1:0 nach Verlängerung 2014 durch Di María in der 118. Minute).
Für zusätzlichen Zündstoff sorgt die Ansetzung von Schiedsrichter João Pinheiro. Der Portugiese steht laut beIN Sports in der Kritik, seit er im Champions-League-Halbfinale ein Handspiel von João Neves gegen Bayern ungeahndet ließ. In der Gruppenphase leitete er bereits das 4:1 der Schweiz gegen Bosnien.
Unser Tipp zum WM-Viertelfinale
Das Fazit fällt klar, aber nicht bequem aus. Das Gewicht der Quoten, der Form und der Historie spricht für Argentinien, deshalb lautet unser Tipp auf den Weltmeister. Ein Selbstläufer ist die Prognose aber nicht.
Der Ausfall von Manzambi nimmt der Schweiz ihr gefährlichstes Offensivmittel, und genau deshalb trauen die Experten Argentinien das Spieldiktat zu. Trotzdem rechnen wir mit einer engen, fehleranfälligen Partie. CBS-Experte Martin Green (19:7 mit seinen WM-Tipps) setzt wegen Argentiniens löchriger Abwehr auf Über 2,5 Tore, angetrieben von einem Schweizer Angriff um Breel Embolo, Dan Ndoye und Rubén Vargas.
Unsere Prognose, klar als Tipp gekennzeichnet: ein knapper Argentinien-Sieg mit Toren auf beiden Seiten, in etwa 2:1. Sicher ist das nicht. Verliert Argentinien hinten wieder die Ordnung, könnte das Schweizer Bollwerk das Turnier des Weltmeisters vorzeitig beenden. Anpfiff in Kansas City: 03:00 Uhr MESZ.
Quellen
- ESPN Spielseite (Live-Status)
- FOX Sports Spielseite (Live-Status)
- ESPN Vorschau: TV, Aufstellungen, Verletzte
- Sky Sports: Spielbericht Argentinien 3:2 Ägypten
- The Analyst (Opta): Vorschau und Siegwahrscheinlichkeiten
- beIN Sports: Yakin bestätigt Manzambi-Ausfall
- beIN Sports: Kontroverse um Schiedsrichter João Pinheiro
- CBS Sports: Quoten und Experten-Tipp
- KSHB: Schweizer 72-Jahre-Wartezeit auf das Viertelfinale
- Al Jazeera: Scaloni über Messis Form
- FIFA.com: Spielbericht Schweiz 2:0 Algerien
- Yahoo Sports: Direkter Vergleich Argentinien gegen Schweiz




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