Am kommenden Dienstag steigt in Dallas das erste WM-Halbfinale zwischen Frankreich und Spanien überhaupt. Und es ist, wie FOX4 Dallas-Fort Worth vorrechnet, zugleich erst die zweite Begegnung beider Nationen bei einer Weltmeisterschaft. Das einzige frühere Duell liegt fast zwei Jahrzehnte zurück. Dazwischen aber trafen die Franzosen und die Spanier auf der ganz großen Bühne immer wieder im K.-o.-Modus aufeinander. Wer verstehen will, was in Texas auf dem Spiel steht, kommt an dieser Vorgeschichte nicht vorbei. Die reine Zahl spricht für Frankreich, denn das einzige bisherige WM-Aufeinandertreffen ging an die Bleus. Die jüngere Wahrheit aber gehört Spanien. Zwei europäische Schwergewichte stehen einen Schritt vor dem Endspiel, und ihr Kräftemessen trägt Geschichte.
2006: Zidanes großer Auftritt
Im Achtelfinale der WM 2006 sah es lange nach einem spanischen Erfolg aus. David Villa verwandelte in der 28. Minute einen Elfmeter zur Führung, wie das Spielprotokoll von ESPN festhält. Noch vor der Pause aber glich Franck Ribéry aus (41.). Nach dem Seitenwechsel drehten die Franzosen die Partie. Patrick Vieira köpfte sie in der 83. Minute in Führung, ehe Zinedine Zidane den Schlusspunkt setzte. In der Nachspielzeit (90.+2) tanzte er die spanische Abwehr aus und traf zum 3:1. Es war eines seiner letzten großen Kunststücke im Nationaltrikot, und es schoss die Bleus auf die Bahn Richtung Finale. Bis heute bleibt es das einzige WM-Duell der beiden, und Frankreich entschied es trotz frühen Rückstands für sich.
Euro 2024: Ein 16-Jähriger schreibt Geschichte
Achtzehn Jahre später kippte ein Halbfinale binnen weniger Minuten. Bei der Europameisterschaft 2024 hatte Randal Kolo Muani die Bleus schon in der 9. Minute per Kopf in Führung gebracht, doch Spanien antwortete mit einem Doppelschlag. Zunächst zog der damals 16-jährige Lamine Yamal aus rund 25 Metern ab und traf sehenswert via Innenpfosten. Mit 16 Jahren und 362 Tagen wurde er laut Sky Sports zum jüngsten Torschützen der EM- und WM-Geschichte und löste damit Pelé ab. Der Rekord machte aus dem Teenager über Nacht einen Weltstar. Kurz darauf legte Dani Olmo das 2:1 nach, sein Schuss wurde noch abgefälscht. Dabei blieb es. Die Selección von Trainer Luis de la Fuente gewann mit 2:1, zog ins Endspiel ein, und Frankreich scheiterte einmal mehr an den Iberern.
Nations League 2025: Neun Tore und ein Rekord
Das jüngste und wildeste Kapitel schrieben beide im Juni 2025, im Halbfinale der Nations League. Es wurde das torreichste Spiel der Wettbewerbsgeschichte. Nico Williams (22.) und Mikel Merino (25.) brachten die Iberer früh mit 2:0 in Front. Nach der Pause erhöhte Yamal per Elfmeter (54.), Pedri legte nur eine Minute später das 4:0 nach (55.). Dann aber bäumten sich die Bleus auf. Kylian Mbappé verkürzte vom Punkt (59.), ehe Yamals zweiter Treffer auf 5:1 stellte (67.). Rayan Cherki (79.) und ein Eigentor von Dani Vivian (84.) brachten Frankreich noch einmal heran, in der Nachspielzeit verkürzte Randal Kolo Muani auf 4:5 (90.+3). Zum Ausgleich reichte es nicht. Vier Gegentore in einer Hälfte und dennoch beinahe die Wende, das sagte viel über den Charakter dieser Franzosen. Am Ende aber behauptete Spanien das 5:4 und zog, wie France24 berichtete, in sein drittes Nations-League-Finale in Folge ein. Laut ESPN war es das erste Neun-Tore-Spiel der Nations-League-Geschichte und das erste Mal seit 1969, dass Frankreich fünf Gegentore in einer Partie kassierte.
Was in Dallas zählt
Ein Muster zieht sich durch diese Duelle. Unterm Strich steht eine klare Handschrift: 2006 gewann Frankreich mit 3:1, 2024 siegte Spanien mit 2:1, 2025 setzten sich die Iberer mit 5:4 durch. Zweimal in Folge legte Spanien früh vor, zweimal kam Frankreich spät und leidenschaftlich zurück, Zidane traf einst in der 90.+2, Kolo Muani zuletzt in der 90.+3. Doch in beiden jüngsten K.-o.-Spielen standen die Bleus am Ende mit leeren Händen da.
Auffällig ist, wie breit Spaniens Torgefahr zuletzt verteilt war. In der Nations League trafen mit Williams, Merino, Yamal und Pedri gleich vier verschiedene Schützen, dazu ein Eigentor. Frankreich dagegen stützte sich auf die Wucht seiner Schlussoffensiven, in denen Mbappé, Cherki und Kolo Muani die Tore erzielten.
Im Zentrum steht diesmal das Duell der Generationen. Kylian Mbappé führt die französische Offensive an, Lamine Yamal die spanische. Medien wie World Soccer Talk und Bolavip verweisen darauf, dass Yamal gegen ein von Mbappé angeführtes Frankreich noch nie verloren habe; sein persönliches Konto stehe bei 2:0. Diese Rechnung stammt aus den genannten Berichten und ließ sich nicht unabhängig gegen eine primäre Statistikdatenbank prüfen. Als harter Fakt taugt sie nicht, als Erzählung vor einem Halbfinale aber allemal.
Anders als 2024 und 2025 geht es in Dallas nicht um einen kontinentalen Titel, sondern um den Einzug ins WM-Endspiel. Dass sich beide erst zum zweiten Mal überhaupt bei einer WM begegnen, verleiht dem Abend zusätzliches Gewicht. Für Spanien lautet die Warnung, eine Führung diesmal über die vollen 90 Minuten zu verteidigen; für Frankreich, nicht wie zuletzt früh in Rückstand zu geraten. Frankreich sucht Revanche für die Pleiten der vergangenen zwei Jahre, Spanien will seine jüngste Dominanz in diesem Duell fortschreiben. Wer am Dienstag gewinnt, steht im Finale.

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