Frankreich steht im WM-Halbfinale, und auf einmal geht es um weit mehr als nur den nächsten Gegner. Mit dem 2:0 gegen Marokko machte die Equipe Tricolore im Viertelfinale den Sprung unter die letzten Vier perfekt, wie NBC News berichtete. Gelingt am Dienstag der nächste Schritt, würden die Franzosen einen Rekord einstellen, den in der 96-jährigen WM-Geschichte nur zwei Nationen überhaupt je erreicht haben.
Die Rechnung ist schnell erklärt. Weltmeister 2018, Vizeweltmeister 2022, jetzt Halbfinalist 2026. Setzt sich die Elf von Didier Deschamps am 14. Juli in Dallas gegen Spanien durch, stünde sie zum dritten Mal nacheinander in einem WM-Endspiel. Vor Frankreich gelang das nur Westdeutschland und Brasilien, wie Sofascore vorrechnet.
Zwei Endspiele, ein noch offenes drittes
Wie stabil diese französische Serie ist, zeigt der Blick zurück. 2018 krönte sich Frankreich in Russland zum Weltmeister. Vier Jahre später, in Katar, stand die Mannschaft erneut im Endspiel, unterlag dort aber Argentinien im Elfmeterschießen. Zwei Endspiele nacheinander, ein Triumph und eine denkbar knappe Niederlage, und beide Male mittendrin: Deschamps.
Zwischen 2018 und heute hat Frankreich Spielergenerationen kommen und gehen sehen, den Kader mehrfach umgebaut und den Anschluss an die Weltspitze trotzdem nie verloren. Genau diese Verlässlichkeit macht die aktuelle Serie so bemerkenswert. Sie lebt nicht von einem einzelnen Geniestreich, sondern von Beständigkeit über Jahre.
Jetzt, bei der WM in den USA, Kanada und Mexiko, ist die dritte Chance da. Das 2:0 gegen Marokko war laut NBC News der nächste unaufgeregte Arbeitssieg einer Elf, die im Turnier bislang wenig zulässt. Noch ein solcher Auftritt gegen Spanien, und Frankreich schreibt Geschichte.
Der Rekord, den nur zwei Nationen je berührten
Dreimal hintereinander ins Finale: In fast einem Jahrhundert Weltmeisterschaften gelang das exakt zweimal, rechnet Sofascore vor.
Die deutsche Nationalmannschaft, damals noch als BRD, zog 1982, 1986 und 1990 jeweils ins Endspiel ein. Die ersten beiden Anläufe gingen verloren, ehe 1990 endlich der Titel folgte. Ein Weg über acht Jahre, drei Turniere und zwei bittere Finalabende.
Brasilien legte kurz darauf nach. Zwischen 1994 und 2002 stand die Seleção dreimal in Serie im Endspiel und gewann zwei davon. Die einzige Niederlage in dieser Serie kassierte sie 1998, und zwar gegen Frankreich.
Zwei völlig verschiedene Fußball-Epochen also, getrennt durch mehr als ein Jahrzehnt. Seit Brasiliens letztem Auftritt in dieser Reihe hat kein Schwergewicht des Weltfußballs mehr an die Marke herangereicht.
Was den Bestwert so schwer macht, ist sein Anspruch. Er verlangt Spitzenklasse über acht Jahre und drei Turniere hinweg, über Generationswechsel, Verletzungen und Formkrisen. Titelverteidiger scheitern bei einer WM regelmäßig früh, Finalisten von gestern verschwinden oft ganz von der Bildfläche. Dass Frankreich seit 2018 in dieser Rechnung dauerhaft ganz oben steht, ist die eigentliche Leistung hinter der möglichen Rekordmarke. Genau deshalb steht die Zahl drei bei diesem Thema für Ausnahmezustand, nicht für Routine.
Seit dem Ende der brasilianischen Serie 2002 hat es kein Team mehr geschafft. Über zwei Jahrzehnte blieb die Marke unangetastet. Schlägt Frankreich Spanien, wäre die Equipe Tricolore erst die dritte Mannschaft überhaupt und die erste seit jener Seleção, wie Get French Football News berichtet.
Deschamps, das verbindende Glied
Genau an diesem Punkt schließt sich ein Kreis, der die Statistik für Frankreich besonders macht. Kapitän jener Weltmeister von 1998 war ein gewisser Didier Deschamps. Er stemmte den Pokal damals als Spieler in die Höhe, nach dem Finalsieg über Brasilien.
Heute steht derselbe Deschamps an der Seitenlinie, Trainer der Franzosen ununterbrochen seit 2012, wie NBC News in Erinnerung ruft. Den WM-Pokal hob er dabei zweimal, 1998 als Kapitän und 2018 als Chefcoach, ein Kunststück, das vor ihm nur ganz wenige schafften. Frankreich, laut FIFA-Profil mit den Titeln von 1998 und 2018 eine der prägenden Nationen dieses Wettbewerbs, hat unter ihm eine Konstanz erreicht, die auf WM-Niveau selten geworden ist.
Vierzehn Jahre auf einem Nationaltrainer-Posten sind im modernen Fußball eine Ausnahme. Und Deschamps hat längst angekündigt, dass nach dem Turnier 2026 Schluss ist: seine letzte WM als Chefcoach der Franzosen. Dass ausgerechnet in diesem Abschiedsturnier ein Rekord lockt, den bislang nur Brasilien und die deutsche Elf halten, und dass er 1998 selbst als Kapitän gegen dieses Brasilien triumphierte, gehört zu den schöneren Randnotizen dieser Weltmeisterschaft.
Jetzt wartet Spanien
Bevor über den Rekord überhaupt entschieden wird, steht am Dienstag das Halbfinale in Dallas an. Spanien ist der Gegner, und ein Selbstläufer wird das für die Franzosen nicht.
Für Deschamps wäre ein drittes Finale in Folge ein passender Schlussakkord einer langen Ära. Doch so weit ist es nicht. Zuerst muss Spanien geschlagen werden, und das ist an einem WM-Halbfinalabend Herausforderung genug.
Für die Elf zählt zunächst nur dieses eine Spiel. Der Rekord ist Zugabe, kein Ziel. Doch er liegt zum Greifen nah, und das ist in Frankreich in diesen Tagen kaum zu überhören, wie auch amNewYork mit Blick auf die mögliche dritte Finalteilnahme anmerkt.
Erst ein Sieg gegen Spanien öffnet die Tür. Am Dienstag wird sich zeigen, ob aus der historischen Chance ein historischer Abend wird.
Quellen
- Get French Football News - Plotting France's Path to a Third Straight Final
- Sofascore - France Could Equal Brazil's Historic World Cup Record
- NBC News - France aims for third straight World Cup final
- amNewYork - France ominous as third straight final beckons
- FIFA.com - France World Cup team profile and history

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