Norwegen erlebt bei der Weltmeisterschaft 2026 einen Sommer, wie ihn das Land seit einer Generation nicht mehr gesehen hat. Zum ersten Mal überhaupt steht die Mannschaft im Viertelfinale einer Weltmeisterschaft. Und es ist zugleich die Rückkehr auf die ganz große Bühne nach langer Durststrecke: Vor dieser Endrunde hatte Norwegen 28 Jahre lang an keiner WM mehr teilgenommen, der letzte Auftritt datierte aus dem Jahr 1998. Was als Wiederkehr nach langer Abwesenheit begann, hat sich binnen weniger Wochen zu einer der großen Geschichten dieses Turniers entwickelt. Am Samstag, dem 11. Juli 2026, trifft das Team in Miami auf England. Der Sieger dieses Duells zieht ins Halbfinale ein.
Der Weg eines Außenseiters
Der Lauf begann unspektakulär. In der Gruppenphase belegte Norwegen in Gruppe I den zweiten Platz hinter Frankreich. Den Siegen gegen den Irak und den Senegal stand eine deutliche 1:4-Niederlage gegen die Franzosen gegenüber. Im Sechzehntelfinale wurde es dann eng: Gegen die Elfenbeinküste gab erst Erling Haaland in der 86. Minute den Ausschlag und sicherte mit seinem späten Treffer den 2:1-Erfolg.
Der eigentliche Paukenschlag folgte im Achtelfinale. Am 5. Juli bezwang Norwegen im MetLife Stadium in East Rutherford (New Jersey) den fünfmaligen Weltmeister Brasilien mit 2:1. Wie Al Jazeera und France 24 berichteten, bedeutete das Aus für die Selecao das früheste WM-Ausscheiden seit 1990. Für Yahoo Sports markiert der Auftritt den Moment, in dem sich Haaland endgültig auf der globalen Bühne des Fußballs zeigt und sein Land auf einen historischen Weg führt.
Haaland in Bestform
Beim Coup gegen Brasilien traf Haaland doppelt. Insgesamt hält der Stürmer nach vier Turnierspielen bei sieben Toren, was ihn im Rennen um den adidas Golden Boot in eine Reihe mit Lionel Messi und Kylian Mbappe bringt. Mit dem Doppelpack gegen die Brasilianer baute er zudem seine Serie an Länderspielen mit eigenem Torerfolg auf 14 Partien aus. Für Norwegen steht er inzwischen bei 62 Treffern in 51 Einsätzen. Damit ist der Angreifer nicht nur der Anführer seiner Mannschaft, sondern auch eine der prägenden Figuren des gesamten Turniers.
Neu ist diese Form nicht. Bereits in der Qualifikation war Haaland der überragende Mann: Mit 16 Toren beendete er die europäische WM-Qualifikation als bester Schütze und traf in jedem einzelnen Spiel der makellosen norwegischen Kampagne.
Für ihn geht damit ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung. "Seit meinem Länderspieldebüt 2019 war es mein großes Ziel, Norwegen zu einer WM und einer EM zu führen", sagte Haaland dem Magazin GQ.
Odegaard als Taktgeber
So sehr Haaland im Rampenlicht steht, so wichtig ist der Mann, der ihn in Szene setzt. Kapitän und Spielmacher Martin Odegaard vom FC Arsenal gilt als Norwegens wichtigster Kreativspieler. Er verbuchte während des Laufs mehrere Vorlagen und spielte im Turnierverlauf mehr Pässe zu Haaland als jeder andere Mitspieler. Ohne die Zuarbeit des Arsenal-Kapitäns wäre die Torserie des Stürmers kaum vorstellbar.
Tuchels England als Prüfstein
Auf dem Weg ins Halbfinale wartet nun England. Die von Thomas Tuchel trainierte Mannschaft steht vor der Aufgabe, einen Plan gegen Haaland zu entwerfen, wie Sky Sports und Goal.com in ihren Vorschauen betonen. Die Vergangenheit spricht dabei für die Engländer: Beide bisherigen Duelle mit Norwegen gewann England, jeweils mit 1:0 in Freundschaftsspielen 2012 und 2014. Ein Pflichtspiel bei einer WM gab es zwischen beiden Nationen dagegen noch nie. Norwegen reist mit dem Selbstvertrauen eines Teams an, das gerade erst einen der ganz Großen dieses Turniers aus dem Wettbewerb geworfen hat.

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