Für Frankreich geht die Rechnung gegen diese Spanier einfach nicht mehr auf. Spanien besiegte Frankreich am Dienstag im ersten WM-Halbfinale mit 2:0 und zog ins Endspiel ein. Schauplatz war das AT&T Stadium in Arlington, Texas. Und wieder war es Lamine Yamal, der Kylian Mbappé den entscheidenden Schlag versetzte: Der 19-Jährige holte den Elfmeter zur Führung heraus, der beste Torschütze des Turniers blieb über 90 Minuten ohne Wirkung. Frankreich ist raus.
Spanien erstickte die Equipe Tricolore
Es war ein Sieg der Kontrolle. Selten ließ die Elf von Trainer Luis de la Fuente einen Gegner derart wenig zu. Die Spanier pressten früh, verschoben geschlossen und ließen kaum einen Ball in die Spitze durch. In der ersten Halbzeit brachten die Franzosen keinen einzigen Torschuss zustande. Frankreich fand nie in seinen Rhythmus.
Das Offensivquartett um Mbappé, Michael Olise, Ousmane Dembélé und Désiré Doué kam zusammen auf einen xG-Wert (Expected Goals) von gerade einmal 0,3. Für eine der teuersten Angriffsreihen des Turniers ist das eine Bankrotterklärung. Eine Zahl sagt alles: Spanien kassierte im gesamten Turnier erst ein Gegentor. Wer diese Abwehr knacken will, braucht mehr als das Einzelkönnen eines Superstars.
Elfmeter und Konsequenz
Die Vorentscheidung fiel vom Punkt. Lucas Digne brachte Yamal im Strafraum rüde zu Fall, Schiedsrichter Iván Barton aus El Salvador zeigte sofort auf den Elfmeterpunkt. Mikel Oyarzabal trat an und verwandelte sicher gegen Mike Maignan. Die Führung fiel noch vor der Pause.
Nach dem Seitenwechsel legte Pedro Porro nach. Der Außenverteidiger markierte in der zweiten Halbzeit das 2:0 und nahm den Gästen endgültig den Glauben. Danach verwaltete die Furia Roja den Vorsprung so, wie es diese Mannschaft seit Wochen tut: geduldig, ballsicher, ohne Hektik. Einen Weg durch die spanische Doppelreihe fand die Equipe von Didier Deschamps nie.
Wieder Yamal, wieder Mbappé ohne Antwort
Damit ging das persönliche Duell erneut an Yamal. Sechs K.-o.-Duelle gegen Mbappé, sechs Siege für den Spanier: Die Serie hält nun auch bei einer Weltmeisterschaft. Diesmal brauchte der Teenager nicht einmal einen eigenen Treffer. Es genügten der herausgeholte Elfmeter und ein Auftritt, bei dem Spanien Frankreichs Star über weite Strecken aus dem Spiel nahm.
Die Serie zieht sich seit Jahren durch Klub und Nationalmannschaft. Im EM-Halbfinale 2024 gewann Spanien mit 2:1, im Juni 2025 folgte ein irres 5:4 in der Nations League, dazu kamen drei gewonnene Clásico-Endspiele des FC Barcelona gegen Mbappés Real Madrid. In Arlington reihte sich nun das erste WM-Kapitel ein, und es endete wie fast alle zuvor.
Mbappé, 27, war als Toptorjäger mit acht Treffern angereist. Er verlässt das Turnier als Verlierer. Yamal, 19 Jahre alt und mit marokkanischen sowie äquatorialguineischen Wurzeln, steht in seinem ersten WM-Finale. Für Didier Deschamps war es das letzte K.-o.-Spiel als französischer Trainer, nach dem Turnier tritt er ab. Ein Halbfinale ohne Torschuss in der ersten Hälfte ist ein bitterer Abschied von der ganz großen Bühne. Für Deschamps endet eine Ära ohne ein weiteres Endspiel.
Del Bosques Erbe im Blick
Spanien greift nun nach dem zweiten WM-Titel. Mit einem Sieg im Endspiel täte es diese Generation der Mannschaft von Vicente del Bosque gleich, die 2010 triumphierte.
Der Gegner steht allerdings noch nicht fest. Im zweiten Halbfinale treffen an diesem Mittwoch England und Argentinien aufeinander, der Sieger löst das letzte Ticket für das Finale am 19. Juli im MetLife Stadium. Spanien hat seinen Platz sicher. Für Frankreich bleibt das Spiel um Platz drei am 18. Juli. Und die Frage, warum gegen diese Spanier einmal mehr nichts ging.
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