Norwegen steht zum ersten Mal überhaupt in einem WM-Viertelfinale. Am Samstag wartet im Hard Rock Stadium von Miami ein schwerer Brocken: England. Ein Turnierdebütant auf dieser großen Bühne gegen einen der Titelkandidaten, größer könnte der Kontrast kaum sein.
Und mittendrin ein Stürmer, der gerade alles trifft, was zu treffen ist. Erling Haaland hat die Skandinavier fast im Alleingang in die Runde der letzten acht geschossen.
Norwegens Reise ins Neuland
Möglich machte den Sprung der Coup im Achtelfinale. Mit 2:1 rang Norwegen Brasilien nieder, Haaland schnürte beim Sieg einen Doppelpack. Für die Skandinavier ist es die erste WM-Teilnahme seit 1998 und das erste Viertelfinale ihrer Verbandsgeschichte. Über zwei Jahrzehnte Wartezeit, jetzt die Belohnung.
Eine ganze Fußballgeneration wuchs auf, ohne Norwegen bei einer WM zu erleben. Jetzt steht das Land plötzlich unter den letzten acht.
Haaland trifft dabei nach Belieben. In 14 Pflichtländerspielen in Serie stand der Angreifer auf dem Tableau, 27 Tore kamen in dieser Serie seit 2024 zusammen. Ein Lauf, der seinesgleichen sucht.
Ein Torjäger in dieser Verfassung ist die beste Absicherung, die ein Außenseiter haben kann. Norwegen setzt vieles auf die Karte Haaland, und bislang ist die Rechnung voll aufgegangen.
Vor dem Anpfiff hält Haaland bei sieben Turniertreffern. Das bedeutet Rang drei im Rennen um den Goldenen Schuh, hinter Kylian Mbappé und Lionel Messi (beide acht, Mbappé dank der besseren Vorlagenbilanz vorn) und einen Treffer vor Englands Harry Kane (sechs). Das Fernduell der beiden Mittelstürmer bekommt so eine zusätzliche Note.
Ein angeschlagenes England
England kam auf dem harten Weg ins Viertelfinale. Im Estadio Azteca setzte sich die Elf mit 3:2 gegen Mexiko durch, einen Großteil der Partie in Unterzahl. Jude Bellingham schnürte auch hier einen Doppelpack und hielt sein Team beinahe im Alleingang im Rennen.
Dass die Elf trotz Unterzahl bestand, spricht für ihre Widerstandskraft. Bellingham übernahm Verantwortung, Kane bleibt der Fixpunkt im Angriff. Gegen Norwegen aber wird die dezimierte Abwehr zur Schlüsselfrage.
Personell muss England umbauen. Jordan Henderson fällt für den Rest des Turniers aus: Ausgerechnet beim Jubel gegen Mexiko brach er sich den Arm und wurde in Kansas City operiert. Auch Jarell Quansah fehlt gesperrt, nach seiner Roten Karte gegen Mexiko. Immerhin soll Reece James rechtzeitig fit werden. Ohne Henderson fehlt ein erfahrener Kopf im Zentrum, ein Aderlass zur Unzeit.
Dazu droht Ungemach auf Gelb. Bellingham, Declan Rice, Marc Guehi und Nico O'Reilly stehen jeweils nur eine Verwarnung vor einer Sperre fürs Halbfinale. Ein unbedachter Zweikampf, und einer der Schlüsselspieler müsste im nächsten Spiel zusehen.
Haaland gegen die eigenen Klub-Kollegen
Für Haaland hat dieses Duell eine besondere Note. "Super special" nannte der Norweger das Spiel gegen England, schließlich stehen mehrere Gegner bei Manchester City in seiner Kabine. Aus Teamkollegen werden für 90 Minuten Rivalen, die seine Wege im Strafraum genau kennen.
So treffen in Miami zwei der besten Mittelstürmer der Welt aufeinander, jeder mit seiner eigenen Rechnung im Torjäger-Ranking. Haaland liegt mit sieben Treffern vor Kane mit sechs, beide hungrig auf das Halbfinale und auf jeden weiteren Treffer im Rennen um den Goldenen Schuh.
Für England geht es um das erste Halbfinale seit 2018. Für Norwegen um den ganz großen Coup: Ein Sieg würde die Skandinavier erstmals überhaupt ins WM-Halbfinale bringen, in einem Turnier, das schon jetzt jede Erwartung übertrifft. Die große Frage vor Miami: Bekommt Englands Defensive den heißesten Angreifer des Turniers in den Griff, oder schreibt Haaland das norwegische Märchen einfach weiter? Anstoß ist am Samstag.




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