Am Dienstag steigt in Dallas das WM-Halbfinale zwischen Frankreich und Spanien, und im Zentrum der Begegnung steht ein ungleiches Duell. Auf der einen Seite Kylian Mbappe, der treffsicherste Angreifer dieses Turniers. Auf der anderen Spaniens junge Innenverteidigung, an der sich bislang fast jeder Gegner die Zähne ausbiss.
Beide Nationen haben ihre Tickets für die Vorschlussrunde gelöst, das Duell am 14. Juli im Dallas Stadium ist gesetzt. Wer den Sprung ins Endspiel schaffen will, muss vorher eine Frage beantworten: Wie stoppt man einen Mann, der bei dieser WM einfach nicht aufhört zu treffen? Genau darum wird sich dieses Halbfinale drehen.
Mbappe reist als Torschützenkönig an
Die Zahlen des Franzosen lesen sich wuchtig. Acht Tore und drei Vorlagen sammelte Mbappe in sechs Turnierspielen, damit führt er die Torjägerliste allein an. Und Frankreich ist mit ihm eine Macht: 16 eigenen Treffern stehen nur zwei Gegentore gegenüber, wie der Dallas-Sender FOX4 vorrechnet. Offensive und Defensive, bei den Franzosen stimmt beides.
Mit acht Treffern ist Mbappe auf dem besten Weg zum Goldenen Schuh, der Auszeichnung für den besten Torschützen des Turniers. Jedes weitere Tor bringt ihn dieser Trophäe näher, und Spaniens Abwehr steht damit auch einer persönlichen Mission im Weg.
Auch im Viertelfinale gegen Marokko blitzte Mbappes Klasse auf, wenn auch mit Verzögerung. Einen Foulelfmeter setzte er in der ersten Halbzeit noch daneben. Doch in der 60. Minute traf er mit einem gefühlvollen Schlenzer zum 1:0, sechs Minuten später legte er den zweiten Treffer für Ousmane Dembele auf. Am Ende hieß es 2:0, Frankreich stand im Halbfinale, wie NPR und CNN berichteten.
Und Mbappe ist nicht die einzige Waffe. Gegen Marokko besorgte Dembele den zweiten Treffer, Frankreichs Angriff verteilt die Last auf mehrere Schultern. Für eine Abwehr heißt das: Wer nur Mbappe bewacht, öffnet an anderer Stelle Räume. Ein Stürmer, der einen Fehlschuss so schnell abschüttelt und danach Tor und Vorlage nachlegt, verlangt ohnehin höchste Wachsamkeit.
Cubarsi und Laporte: Spaniens junges Bollwerk
Und doch trifft Mbappe auf eine Abwehr, die in dieser Verfassung ihresgleichen sucht. Pau Cubarsi, gerade einmal 19 Jahre alt, bildet mit dem erfahrenen Aymeric Laporte das spanische Innenverteidiger-Duo. Was zu Turnierbeginn wie ein Wagnis wirkte, wurde laut Yahoo Sports zu einer der größten Stärken der Mannschaft. Der Sender beschreibt Cubarsi als ruhig und selbstbewusst, als das beste Talent aus dem Barca-Kontingent im spanischen Aufgebot.
Cubarsi stand bei dieser WM in jeder einzelnen Minute auf dem Platz. Nur drei Spieler bot Spanien in jedem Moment auf: Torhüter Unai Simon, Außenverteidiger Marc Cucurella und den jungen Profi vom FC Barcelona. Für einen Teenager auf der wohl heikelsten Position des Feldes ist das bemerkenswert, und er trägt die Verantwortung neben Routinier Laporte mit erstaunlicher Reife.
Seine Bilanz ist historisch. Fünf Spiele, fünf Mal zu null: Kein Verteidiger hielt bei einer WM so früh so oft die Null. Cubarsi unterbot damit den alten Rekord von Paolo Maldini, der für diese Marke sieben Partien gebraucht hatte, so Yahoo Sports.
Auch als Kollektiv schrieb Spaniens Defensive Geschichte. 650 Minuten lang blieb die Elf ohne Gegentor, ein WM-Rekord. Damit löste sie die 36 Jahre alte Bestmarke von Walter Zenga ab, der bei der WM 1990 in Italien 517 Minuten die Null gehalten hatte. Erst in der 41. Minute des Viertelfinals beendete Charles De Ketelaere von Belgien die Serie, wie Washington Post und Fox Sports vermeldeten. Es war das erste Gegentor, das Spanien bei diesem Turnier überhaupt kassierte.
Ein Duell, das das Halbfinale entscheidet
Hier prallen zwei Extreme aufeinander. Frankreichs Offensivwucht gegen Spaniens Abwehrbollwerk. Der reifste Torjäger des Turniers gegen einen Innenverteidiger, der erst 19 ist und schon Rekorde bricht. Erfahrung gegen Jugend, Explosivität gegen Ordnung: Dieses Halbfinale bietet einen der reizvollsten Kontraste des gesamten Turniers.
Zwei Rekorde hat diese spanische Abwehr bereits pulverisiert, die von Maldini und die von Zenga. Ein dritter Prüfstein wartet nun in Person von Mbappe. Spaniens Weg in die Vorschlussrunde beruhte auf genau dieser Stabilität: fünf Spiele ohne Gegentor, ehe Belgien die Serie beendete. Gegen einen Mbappe in dieser Form aber reicht ein einziger unkonzentrierter Moment, um die Arbeit von 650 Minuten zunichtezumachen. De Ketelaeres Treffer war ein erstes Warnsignal, ausgerechnet vor dem Wiedersehen mit einem noch gefährlicheren Angriff.
Die Rechnung ist auf beiden Seiten simpel. Findet Frankreich den Weg an Spaniens jungem Duo vorbei, wartet das Endspiel. Hält die spanische Abwehr auch gegen den Torschützenkönig dicht, ist Spanien dem Finale zum Greifen nah. Anpfiff ist am Dienstagabend in Dallas, und an diesem einen Zweikampf könnte das ganze Halbfinale hängen.

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