Ein Zwei-Minuten-Joker entschied das Viertelfinale, ein Patzer im belgischen Tor ebnete ihm den Weg. Beim 2:1 Spaniens gegen Belgien vergaben ESPN, DAZN, Goal.com, Sports Mole und SI.com ihre Einzelnoten, und selten klafften sie so weit auseinander. Auf der internationalen Skala von 1 bis 10 trennten manchen Akteur bis zu drei Punkte, je nachdem, welche Redaktion die Feder führte.
Wer die kicker-Noten von 1 bis 6 gewohnt ist, muss kurz umdenken: International gilt die 10 als Bestwert, die 1 als Totalausfall. Einig war sich die Branche nur in einem Punkt. Mikel Merino war der überragende Mann des Abends.
Gerade diese Spanne ist die eigentliche Geschichte der Einzelkritiken. Wo ein Portal die Nervenstärke sah, notierte das nächste den Fehler kurz davor. Sechs Redaktionen, sechs teils deutlich abweichende Blickwinkel. Wer sich nur an einer einzigen Zahl festhält, verpasst das ganze Bild.
Spaniens Abwehr: Cubarsis Achterbahn
Kein Spieler polarisierte so wie Pau Cubarsi. An ihm schieden sich die Geister der Notengeber. Der 19-Jährige zog die breiteste Notenspanne der ganzen Partie auf sich, von einer 5 bis hinauf zu 8,4. Beim Ausgleich stieg De Ketelaere über ihn hinweg, dazu leistete er sich eine unnötige Gelbe Karte gegen Kevin De Bruyne.
Nach dem Seitenwechsel drehte der Youngster auf. Sein Distanzschuss in der 88. Minute war der Ursprung des Siegtreffers, weil Senne Lammens den Ball nach vorne abklatschen ließ. Ein wichtiger Hinweis zur Einordnung: Jung ist in dieser spanischen Viererkette nur Cubarsi. Pedro Porro, Aymeric Laporte und Marc Cucurella sind gestandene Nationalspieler, keine Debütanten.
Spaniens Mittelfeld und Sturm: Rodri dirigiert, Merino sticht
Fabián Ruiz belohnte seine überraschende Rückkehr in die Startelf mit dem 1:0 in der 30. Minute. Nachdem Thibaut Courtois einen Schuss von Dani Olmo pariert hatte, staubte er per Direktabnahme ab. Opta vermerkte auf dem Weg dorthin noch eine Ablenkung an Timothy Castagne. Sein erstes Turniertor brachte ihm Noten zwischen 6 und 8 ein.
Rodri gehörte mit Werten von 7,8 bis 8 zu den Besten der Elf. Er kontrollierte das Tempo und verteilte die Bälle nach Belieben. Lamine Yamal dagegen spaltete die Kritiker, seine Noten reichten von 6 bis 7,8. Die Dribblings und Ballkontakte im Strafraum begeisterten, doch klare Chancen sprangen nicht heraus. Es blieb bei sehenswerten Momenten ohne Zählbares, und auf sein zweites WM-Tor wartet Yamal weiter.
Und dann Merino. Rund zwei Minuten nach seiner Einwechslung markierte er in der 88. Minute den Siegtreffer. Jede geprüfte Redaktion sah ihn als besten Spieler der Begegnung, die Spanne reichte von einer 7 bei SI.com bis zur 9 bei Yahoo Sports und ESPN. Laut Opta ist er der erste Spanier, der in zwei aufeinanderfolgenden WM-K.-o.-Spielen als Joker den Siegtreffer erzielt, nach seinem Kopfball in der Nachspielzeit gegen Portugal. Zudem ist er der Erste, der gleich zwei solcher Siegtreffer in der 80. Minute oder später besorgte.
Belgiens Torwart-Drama: Courtois' Tränen, Lammens' Patzer
Für Belgien wurde ausgerechnet der eigene Kasten zur Tragödie. Thibaut Courtois musste in der 71. Minute vom Feld und verließ den Rasen unter Tränen. Nicht die Hüfte, sondern der Oberschenkel zwang ihn zum Aufgeben. 'Ich führte einen Abstoß aus und spürte einen heftigen Schmerz im Quadrizeps', schilderte der Torhüter später. Für seine Paraden bis zu diesem Moment gab es Noten zwischen 5 und 7,6.
Sein Ersatz Senne Lammens, 24 Jahre alt, erlebte einen Albtraum. Laut Opta war er der erste belgische WM-Torhüter seit 2002, der nicht Courtois hieß. In der 88. Minute ließ er Cubarsis Distanzschuss nach vorne prallen, direkt in den Lauf von Merino. ESPN, Yahoo Sports, DAZN und Sports Mole machten ihn mit Noten zwischen 4 und 4,5 zum schwächsten Akteur des Spiels.
Belgiens Mittelfeld und Angriff: De Ketelaere trifft, der Rest verpufft
Der Lichtblick hieß Charles De Ketelaere. Seinen Kopfball nach Flanke von Timothy Castagne zum 1:1 in der 41. Minute bewerteten die Portale mit 7,2 bis 8. Es war sein drittes Turniertor nach einem Doppelpack im Achtelfinale. Und es hatte Gewicht: Der Treffer beendete Spaniens Rekordserie von sechs WM-Spielen ohne Gegentor und kappte zugleich Unai Simóns Serie nach 649 unbezwungenen Minuten, so die Opta-Zählung.
Belgiens Mittelfeld kränkelte schon vor dem Anpfiff. Youri Tielemans musste nach einer Verletzung im Aufwärmen passen, Hans Vanaken rückte kurzfristig nach und blieb mit einer 6 blass. Kevin De Bruyne (6 bis 6,3, spät verwarnt) tauchte kaum auf, Jérémy Doku (6 bis 6,7) war noch die größte Gefahr am Ball. Von Belgiens Kreativabteilung kam nach dem Ausgleich zu wenig, um die spanische Kontrolle im Zentrum zu brechen. Vorne verpufften die Alternativen: Romelu Lukaku (5,8 bis 6) verlor seine Kopfballduelle, Leandro Trossard (5 bis 5,9) bereitete keine einzige Chance vor.
Das Fazit der Notenvergabe fällt eindeutig aus. Quer durch alle Ranglisten war Merino der Mann des Spiels, kein anderer Akteur tauchte vor ihm auf. Am Ende steht ein 2:1, das Belgien vor allem sich selbst zuschreiben muss, und ein Joker, der zur festen Größe im spanischen K.-o.-Rennen geworden ist. Für Spanien geht es nun ins Halbfinale. Belgien bleibt die bange Frage nach Courtois, den manche Berichte bereits im letzten WM-Spiel seiner Laufbahn sahen.
Quellen
- ESPN - Spain vs Belgium player ratings
- Goal.com - Spain player ratings vs Belgium
- The Analyst (Opta) - Spain vs Belgium stats
- Sports Mole - Spain 2-1 Belgium player ratings
- DAZN - Spain vs Belgium player ratings
- ESPN - Tielemans warmup injury and Courtois exit
- Sporza (Belgium) - Lammens error match report
- SI.com - Spain player ratings vs Belgium
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