Ein Turnier ohne die üblichen Schwergewichte
Zum ersten Mal in der Geschichte einer Weltmeisterschaft fehlen sowohl Brasilien als auch Deutschland im Viertelfinale. Darauf verweist die FIFA in ihren offiziellen Zahlen und Fakten zu den letzten acht Teams. Beide Rekordnationen hatten sich in praktisch jeder früheren Auflage mindestens bis in diese Runde vorgekämpft, weshalb ihr gleichzeitiges Fehlen ein Novum darstellt, das die gewohnte Hackordnung des Turniers durcheinanderwirbelt.
Die verbliebenen acht Mannschaften heißen nun Frankreich, Marokko, Spanien, Belgien, Norwegen, England, Argentinien und Schweiz. Von ihnen erlebt allein Norwegen ein WM-Viertelfinale zum allerersten Mal, während die übrigen sieben auf frühere Auftritte in dieser Runde zurückblicken. Dass ausgerechnet die beiden erfolgreichsten Titelträger den Sprung verpassten, verleiht dem Achtelfeld eine ungewohnte Note.
Deutschland verabschiedet sich am frühesten
Die deutsche Mannschaft traf es besonders bitter und besonders früh. Der viermalige Weltmeister schied bereits im Sechzehntelfinale aus: Auf ein 1:1 gegen Paraguay am 29. Juni 2026 in Boston folgte eine 3:4-Niederlage im Elfmeterschießen. Es war laut Sky Sports die erste WM-Niederlage einer deutschen Auswahl in einem Shootout überhaupt. Kai Havertz hatte die frühe Führung von Julio Enciso ausgeglichen, ehe Jose Canale im Sudden Death den entscheidenden Treffer erzielte. An der Seitenlinie verantwortlich: Bundestrainer Julian Nagelsmann.
Brasilien folgte wenig später und ebenfalls überraschend. Die Seleção verlor am 5. Juli 2026 mit 1:2 gegen Norwegen, wie Al Jazeera berichtet. Erling Haaland traf für die Skandinavier doppelt, Neymars Foulelfmeter in der Nachspielzeit blieb reine Ergebniskosmetik. Für Norwegen, das erstmals seit 28 Jahren wieder bei einer WM dabei ist, war es ein historischer Abend, dem an anderer Stelle noch ausführlich Raum gebührt.
Die Schweiz als zweite große Überraschung
Neben Norwegen sorgt vor allem die Schweiz für Aufsehen. Die Nati steht laut CBS Sports zum ersten Mal seit der Heim-WM 1954 wieder in einem Viertelfinale und beendet damit eine mehr als sieben Jahrzehnte währende Wartezeit. Gegen Kolumbien reichte ein 0:0, ehe sich das Team mit 4:3 im Elfmeterschießen durchsetzte, dem ersten WM-Shootout seiner Geschichte (Achtelfinale, 7. Juli 2026).
Dass gleich zwei Außenseiter unter den letzten acht stehen, hängt auch damit zusammen, dass weitere traditionsreiche Nationen früh die Segel streichen mussten. Cristiano Ronaldos Portugal unterlag Spanien mit 0:1, den Siegtreffer erzielte Mikel Merino. Gastgeber USA verlor in Seattle mit 1:4 gegen Belgien. Beide Partien fielen ins Achtelfinale, wie ESPN festhält, und fügten sich in eine ganze Reihe von Überraschungen ein.
Ein neu geordnetes Tableau
Das umgekrempelte Feld beschert dem Turnier ungewohnte Konstellationen. Unter den letzten acht steht mit Marokko nur ein afrikanischer und mit Argentinien nur ein südamerikanischer Vertreter, alle übrigen Teams kommen aus Europa. Frankreich setzte sich am 9. Juli im Gillette Stadium in Boston mit 2:0 gegen Marokko durch, die Tore erzielten Mbappé und Dembélé. Spanien trifft am 10. Juli im SoFi Stadium auf Belgien. Einen Tag später stehen sich Norwegen und England im Hard Rock Stadium in Miami gegenüber, zeitgleich messen sich Argentinien und die Schweiz im Arrowhead Stadium in Kansas City.
So bleibt festzuhalten: Mit dem gleichzeitigen Aus von Brasilien und Deutschland hat diese Weltmeisterschaft eine Marke gesetzt, die es laut FIFA in dieser Form noch nie gab. Wer auch immer am Ende den Pokal in die Höhe stemmt, wird es ohne die beiden erfolgreichsten Nationen der Turniergeschichte tun, und für Teams wie Norwegen oder die Schweiz öffnet sich eine Bühne, die ihnen bei einer WM lange verwehrt blieb.



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