Messi gegen die Schweizer Mauer: Die Schlüsselduelle im WM-Viertelfinale

Messi gegen die Schweizer Mauer: Die Schlüsselduelle im WM-Viertelfinale

Titelverteidiger Argentinien fordert in Kansas City eine Schweiz, die seit 1954 auf ein WM-Viertelfinale wartet. Ohne den verletzten Johan Manzambi muss Murat Yakins Elf gegen Messi und einen defensiv verwundbaren Favoriten bestehen.

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Argentinien und die Schweiz treffen an diesem Samstag im Arrowhead Stadium von Kansas City aufeinander, und selten war die Rollenverteilung in einem WM-Viertelfinale so klar: hier der Titelverteidiger um Lionel Messi, dort ein Außenseiter, der 72 Jahre auf genau diesen Moment gewartet hat. Seit 1954 stand die Schweiz nicht mehr im Viertelfinale einer Weltmeisterschaft. Entschieden wird die Partie an wenigen Duellen.

Messi gegen das Schweizer Bollwerk

Lionel Messi, 39 Jahre alt, führt die Torschützenliste mit acht Treffern aus fünf Spielen an und ist laut Opta der erste Spieler, der in sechs K.-o.-Spielen einer WM in Folge traf. Trainer Lionel Scaloni kann aus einem komplett gesunden 26-Mann-Kader wählen; die einzige offene Frage im Angriff lautet, ob Julián Álvarez oder Lautaro Martínez neben Messi beginnt.

Souverän kam die Albiceleste bis hierhin: neun Punkte in Gruppe J, dazu Siege gegen Algerien (3:0), Österreich (2:0) und Jordanien (3:1), ehe im Sechzehntelfinale ein 3:2 gegen Kap Verde folgte. Gegenüber steht ein Block, den Murat Yakin so diszipliniert organisiert hat wie kaum ein anderer. Die Eidgenossen sind laut The Analyst die einzige Mannschaft im Feld von 2026, die im gesamten Turnier, Qualifikation eingerechnet, noch nie in Rückstand geriet.

Wie gefährlich Argentiniens Offensive selbst aus dem Nichts wird, zeigte das Achtelfinale in Atlanta. Elf Minuten vor dem Ende lag die Albiceleste gegen Ägypten mit 0:2 zurück. Dann köpfte Cristian Romero nach einer Messi-Flanke in der 79. Minute ein, Messi selbst traf in der 84., und Enzo Fernández markierte per Kopf in der Nachspielzeit (90.+2) den 3:2-Endstand. Argentiniens Torserie steht damit bei 14 Spielen in Folge.

Das Loch, das Manzambi hinterlässt

Der größte Faktor auf Schweizer Seite ist ein Ausfall. Johan Manzambi, mit 20 Jahren der Shootingstar des SC Freiburg, fällt mit einer Knieverletzung aus, die ihn schon das Kolumbien-Spiel gekostet hatte. „Johan Manzambis Verletzung schmerzt uns enorm. Es war ein echter Schock, er kann nicht spielen“, sagte Yakin laut beIN Sports. Manzambi ist der jüngste Spieler seit 1966, der bei einer WM auf fünf Torbeteiligungen kam, drei Tore und zwei Vorlagen.

Dazu kommen weitere Sorgen: Michel Aebischer und Luca Jaquez trainierten zuletzt nur individuell. Die Offensive ruht damit stärker auf Breel Embolo, Dan Ndoye und Ruben Vargas. Beim 2:0 gegen Algerien in Vancouver trafen Embolo und Ndoye, danach folgten das 0:0 gegen Kolumbien und der 4:3-Sieg im Elfmeterschießen. Es waren die ersten beiden K.-o.-Siege der Schweiz bei einer WM nacheinander überhaupt.

Xhaka, Rodríguez und eine verwundbare Abwehr

Das Schweizer Mittelfeld hat ein Gesicht: Granit Xhaka führt das Turnier mit 50 Pässen an, die die letzte Linie durchbrechen. Linksverteidiger Ricardo Rodríguez bringt es seit 2014 auf 31 Einsätze bei großen Turnieren. Beide sind die Einzigen im aktuellen Kader, die schon 2014 dabei waren, als Argentinien die Schweiz durch Di María in der 118. Minute mit 1:0 aus dem Turnier warf.

Hier liegt die eigentliche Bruchstelle. Argentinien traf zwar in 14 Spielen immer, kassierte in den beiden K.-o.-Runden aber aus 56 Prozent der Schüsse aufs eigene Tor ein Gegentor, fünf von neun. Das ist laut The Analyst eine der höchsten Quoten aller verbliebenen Teams. Wer die Albiceleste zu Chancen kommen lässt, wird bestraft; und die Schweiz hat gegen Kolumbien bewiesen, dass sie im Elfmeterschießen die Nerven behält.

Für die Schweiz ergibt sich daraus ein klarer Plan: tief stehen, die Räume eng halten und über Ndoye und Embolo auf den schnellen Umschaltmoment lauern. Ein frühes argentinisches Tor käme Yakin am ungelegensten, denn sein Konzept lebt vom Gleichstand und von der eigenen Geduld.

Was die Prognosen sagen

Die Geschichte spricht für einen Favoriten. In sieben Duellen blieb Argentinien gegen die Schweiz ungeschlagen, fünf Siege, zwei Remis, dazu beide bisherigen WM-Duelle (2:0 im Achtelfinale 1966, 1:0 nach Verlängerung 2014). Einen Sieg gegen die Albiceleste feierten die Eidgenossen noch nie.

Auch die Buchmacher sind eindeutig: Argentinien notiert bei rund -145, die Schweiz zwischen +450 und +500, das Remis bei +250. DraftKings meldete 24 Stunden vor Anpfiff 85 Prozent der Wetten und 91 Prozent des Geldes auf Argentinien. Das Modell von Opta gibt der Albiceleste 57,7 Prozent für einen Sieg nach 90 Minuten und 70,5 Prozent für den Halbfinal-Einzug. Der CBS-Experte Martin Green, in diesem Turnier bei 19 richtigen von 26 Tipps, rechnet dennoch mit Toren und tippt auf über 2,5 Treffer.

Für Gesprächsstoff sorgt zudem die Ansetzung von Schiedsrichter João Pinheiro. Der Portugiese leitete bereits ein Schweizer Gruppenspiel, das 4:1 gegen Bosnien, und stand zuletzt in der Kritik, weil er im Champions-League-Halbfinale einen Handelfmeter für Bayern gegen PSG verweigerte. Bleibt die Frage, die dieses Viertelfinale trägt: Hält Yakins Mauer, oder findet Messi wie so oft doch den einen Weg hindurch?

Quellen

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