Hotelwechsel und Fieberwelle: Norwegens holpriger Weg ins historische Viertelfinale

Hotelwechsel und Fieberwelle: Norwegens holpriger Weg ins historische Viertelfinale

Baustellenlärm, ein Umzug nach nur einer Nacht und ein Infekt im Kader: Vor dem ersten WM-Viertelfinale seiner Geschichte kämpfte Norwegen mit allem, nur nicht mit dem Gegner. Kurz vor dem England-Spiel gab der Teamarzt Entwarnung.

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Es ist das größte Spiel in der Geschichte des norwegischen Fußballs. Und in den Tagen davor ging es nicht um England, sondern um Baustellenlärm, einen Hotelwechsel und einen Infekt, der durch den Kader zog.

Zum ersten Mal steht die norwegische Elf in einem WM-Viertelfinale, und das beim ersten WM-Auftritt seit 1998. 28 Jahre wartete Fußball-Norwegen auf diese Rückkehr auf die große Bühne. Umso größer die Erwartung, umso empfindlicher jede Störung im Ablauf.

Zwischen dem Achtelfinalsieg gegen Brasilien und dem Duell mit England lag jedoch keine ruhige Trainingswoche, sondern eine ganze Kette von Nebenschauplätzen. Ablenkung gegen Bestimmung, so ließe sich die Gemengelage im norwegischen Lager zusammenfassen.

Umzug nach einer einzigen Nacht

Am Sonntag hatte die Elf Brasilien mit 2:1 aus dem Turnier geworfen. Kaum war das geschafft, begann der nächste Ärger, und der hatte nichts mit dem Gegner zu tun. Der erste Stein des Anstoßes war ein Hotel.

Genau eine Nacht verbrachte die Mannschaft im The Dalmar in Fort Lauderdale, dann zog sie weiter. Der Grund: laute Bauarbeiten direkt vor dem Gebäude, die an erholsamen Schlaf nicht denken ließen. Spieler hatten sich über den Lärm beklagt, und wenige Tage vor dem wichtigsten Spiel des Landes wollte im Betreuerstab niemand ein solches Risiko eingehen.

Kapitän Martin Ödegaard bestätigte den Umzug und blieb dabei betont nüchtern. „Es gab ein paar Dinge, die besser hätten sein können, und die haben wir behoben. Einfach, um alles zu optimieren und uns bestmöglich auf ein wichtiges Spiel vorzubereiten“, sagte der Kapitän laut Yahoo Sports.

Ein Randthema? Für ein Team, das seit fast sechs Wochen quer durch die USA reist, ist ruhiger Schlaf alles andere als eine Kleinigkeit.

Ein Infekt zieht durch den Kader

Das größere Thema aber war die Gesundheit. Schon früher im Turnier hatte ein Infekt zwei Spieler ausgebremst. Jörgen Strand Larsen verpasste den Auftakt mit Fieber. Marcus Holmgren Pedersen fehlte beim Achtelfinale gegen Brasilien, weil er sich am Morgen des Spiels unwohl gefühlt hatte.

Auch danach blieb es nicht ganz still. Trainer Ståle Solbakken sprach von „ein bisschen Husten und Kratzen im Hals“, das sich verteilt durch die Mannschaft gezogen habe. Die Ursache sah er weniger im Gegner als in den Strapazen der Reise: sechs Wochen eng zusammen, Klimaanlagen, Flüge quer durch das riesige Gastgeberland.

Nichts Dramatisches also. Aber genug, um vor dem größten Spiel der Verbandsgeschichte Fragen aufzuwerfen, wie auch die norwegische Zeitung Dagbladet aus dem Kader berichtete.

Entwarnung vom Teamarzt

Kurz vor dem Viertelfinale kam dann die Nachricht, auf die im norwegischen Lager alle gewartet hatten. „Alle Spieler sind jetzt gesund“, sagte Teamarzt Ola Sand. „Sehr wenig Wirbel, wenn man bedenkt, dass wir seit fast sechs Wochen eng beieinander sind.“ Mit dieser Einschätzung, zitiert von Fox Sports, sollte der Blick endgültig zurück auf den Platz wandern.

Für Solbakken und sein Team steckt die eigentliche Botschaft dahinter: keine Ausreden, keine Personalsorgen, die sich hinter einem Ergebnis verstecken ließen. Nach sechs Wochen im Turnier, mit Reisen von Küste zu Küste, ist ein Kader ohne echten Ausfall schon für sich eine Nachricht.

Am Ende bleibt ein vertrautes Bild vor einem großen Spiel: viel Nebengeräusch, wenig Substanz. Der Lärm vor dem Hotel ist verstummt, der Infekt abgeklungen, das neue Quartier bezogen.

Was am Samstag zählt

Die eigentliche Frage stellt sich ohnehin erst am Samstag, wenn es gegen England um den Einzug ins Halbfinale geht. Kann eine Mannschaft, die noch nie so weit gekommen ist, den Trubel der vergangenen Tage wirklich ausblenden?

In Fort Lauderdale hat Ödegaards Elf zumindest schon gezeigt, dass sie ein Problem lieber löst, als lange darüber zu reden. Sicher ist nur: Auf dem Platz zählt keine der Geschichten der vergangenen Woche mehr. Dann geht es nur noch um das eine Spiel, für das Norwegen 28 Jahre gebraucht hat, um überhaupt so nah heranzukommen.

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